Meine ältere Schwester feierte jüngst einen runden Geburstag und der Rest der Familie hatte sich überlegt in diesem Zusammenhang einige Anekdoten aus der gemeinsamen Kindheit bzw. Jugend zum Besten zu geben. Das war eine sehr nette Gelegenheit in Erinnerungen zu schwelgen und viele Geschichten haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Dabei ist mir auch eingefallen, dass der erste Kinofilm meiner Schwester „E.T. Der Außerirdische“ war. Den Film hatte sie damals mit meinem Bruder gesehen. Beide sind 9 bzw. 8 Jahre älter als ich, was insoferne bemerkenswert ist, weil es auch der erste Kinofilm meiner Frau war (die nominell 29 Jahre alt ist, aber inoffiziell so alt ist wie ich, also deutlich jünger als meine Geschwister) und ich den Film erst viel später im Fernsehen zum ersten Mal gesehen habe. Das ist wohl ein klassisches Land-Stadt Gefälle. Es wäre für mich als 6 Jähriger undenkbar gewesen ins Kino zu gehen, aber in der großen Stadt war das offenbar normal.

Der Film hat in den 1980er Jahren auf jeden Fall Filmgeschichte geschrieben und das Kürzel „E.T.“ war allen bekannt. So war es definitiv nicht der schlechteste Marketing-Schachzug, das Etikett der Weine von Ernst Triebaumer mit den Initialen E.T., schlicht in schwarz/weiß gehalten, zu versehen. Für die damalige Zeit ein Design-Meilenstein, der bis heute – zeitlos – Bestand hat. Es hat nicht lange gedauert, bis man den Winzer aus Rust dann als den „Außerirdischen“ bezeichnete. Der Grund dafür war nicht zuletzt der Blaufränkisch Mariental 1986, der erste österreichische Rotwein mit Weltrang. Seither gibt es einen Top-Wein nach dem anderen, wobei der Mariental ein absoluter Dauergast in der Liste der besten Rotweine Österreichs darstellt.

Den 1986er hatte ich zumindest einmal – mit allergrößter Demut – im Weinkeller des Steirerecks in der Hand, getrunken habe ich ihn bisher nie. (Sollte jemand so einen daheim herumstehen haben und nicht wissen, was er damit tun soll, könnte ich auf jeden Fall behilflich sein). Von 1997 bis 2005 hatte ich die Marientals immer wieder als „Babys“ im Glas, seither hatten sich unsere Wege etwas verloren. Bis im heurigen Winter jemand aus Tirol insgesamt 4 Flaschen (Jahrgänge 99, 05, 07 und 08) auf willhaben um EUR 40,- pro Flasche angeboten hat. Das ist doch erheblich unter dem Marktpreis und ich habe sofort zugeschlagen.

Die drei jüngeren Jahrgänge des Quartetts habe ich zu Ostern zur Familie in die „Kothmühle“ mitgenommen. Die Weine wurden vom Chef-Sommelier fachgerecht kredenzt und vorbereitet und beim gemeinsamen Abendessen querverkostet. Der 2005er zeigt sich als äußerst zugänglicher, warmer und runder Wein mit ordentlich Tiefgang und Eleganz. Das war schon ganz große Blaufränkisch-Kunst. Der 2008er hingegen war noch deutlich jünger, mit schönen Tanninen, gefühlt etwas mehr Säure dafür aber auch schöner Frucht. Ein ganz toller Speisenbegleiter. Der 07er war sehr verhalten, sperrig und eigentlich eine ziemliche Enttäuschung. Engmaschige straffe Tannine und eher auf der rassigen Seite war er bei weitem nicht so ein endgeiles Spaßteil wie die beiden Kollegen.

Ich hatte mir dann ganz zum Schluß, nach dem Kaffee und einigen Stunden nach dem Start des Abendessen, noch ein letztes Glas, quasi als Schlummertrunk, vom 2007er eingeschenkt und traute meinen Geschmacksnerven kaum. Unfassbar wie der Wein über die Stunden aufgemacht hat. Das gehörte klar zum Besten was ich je an Blaufränkisch getrunken habe. Der Mariental 2007 hat auf jeden Fall Potenital für Jahrzehnte.

Ich war sehr begeistert und freute mich schon auf die im Weinklimaschrank verbliebene Flasche aus 1999. Ich wartete nur auf den richtigen Zeitpunkt und der kam als endlich wieder ein Österreicher in ein Tennis Grand Slam Finale eingezogen ist. Was nach 1995 überhaupt erst zum zweiten Mal der Fall war.

Der 99er sprang früh in den Dekanter und durfte uns beim Grillen Gesellschaft leisten. Obwohl fast 20 Jahre alt, gibt es überhaupt keinen Hinweis auf das Alter. Der Wein steht wie eine 1, ist gewichtig, ewig haftend mit einer perfekten Kombination aus Kraft, Eleganz und Frucht. Ich war extrem begeistert, würde aber retrospektiv auf jeden Fall den 07er noch darüber stellen (da muss man halt Geduld haben, was jetzt sicher nicht zu meinen großen Stärken zählt).

Einsatz: 4 x EUR 40,-

Gewinn: 1-2; Großartige Weine von einem der besten Winzer Österreichs, der aufzeigt welch großes Potential im Blaufränkisch steckt. In dem Fall kann ich nur raten, nicht nach Hause zu telefonieren, sondern eher den E.T. anzurufen um eine Bestellung klar zu machen!