Es kommt vom Herrn Stefan. Aber der Reihe nach. Gestern hat es geschüttet und in einigen Teilen des Landes wurde das kleine Bächlein hinterm Haus plötzlich zum Strom, der nicht nur den Lurch sondern auch gleich die Möbel aus dem Haus geputzt hat. Unser ursprünglicher Plan, den Abend zu zweit bei der Mole West am Neusiedlersee zu verbringen, ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Es musste rasch eine Alternative her.

Mir ist dann eingefallen, dass ich in der Nähe des Kindergartens unserer Tochter in den letzten Wochen immer wieder an einer riesigen Baustelle vorbeigeeilt bin, und dort kürzlich goldene Schilder eines neues Hotel-Restaurants (Hotel am Konzerthaus) montiert wurden. „Apron“ (englisch für Schürze) heißt das stylische Lokal und wird von einem Michelin Sterne Koch, Stefan Speiser, bespielt. Das sehen wir uns an!

Innen sieht das Restaurant so aus, wie man jetzt halt ein neues Lokal einrichtet. Kühl, schwarz/gold-stylisch, aber durchaus chic und mit gewissem Wohlfühlfaktor. Wir haben uns für das 5-gängige Chef’s Menu inklusive Weinbegleitung entschieden. Auffällig war sofort die recht unkonventionelle Betreuung durch das Service. Die Dame war sehr offen, sympathisch und kompetent. Lustig war auch, dass die den Chef als Herrn Stefan bezeichnet hat.

Das Amuse Gueule war dann gleich der Wegweiser für den weiteren Abend. Verschiedene kleine Teller mit kleinen Kreationen wurden da offenbart. Extrem aufwendig und sensationell. Ziemlich abgefahren ist die Butterkerze, wo sich die zerflossene Butter unten mit Bratensaft vermischt und mit dem hausgemachten Brot aufgetunkt werden kann. Zum Niederknien!

In dieser Tonart ging es dann über Vorspeise und Hauptspeisen plötzlich zu einem überraschenden Zwischengang, nämlich einem Pre-Dessert. Ich würde mich selbst als durchaus erfahren im Umgang mit fine dining bezeichnen, aber ich glaube das war das erste Pre-Dessert (siehe Titel-Bild) meines Lebens. Meiner – wenig ernsthaften – Gattin ist dazu gleich ein passendes Zitat aus „Otto der Film“ eingefallen. Pre-Dessert? Pre-Dessert? Wo kommt denn des her? Somit war auch der Titel zu diesem Beitrag gefunden. Hauptteil des Pre-Desserts war dann ein Mispel-Eis. Eine Frucht, die ja nicht so wirklich bekannt bzw. Weit verbreitet ist. Sehr spannend.

Nach dem eigentlichen Dessert (grandios!) gab es dann auch noch ein petit-fours zum Geschmack-Raten. Wir lagen meilenweit daneben. (Unser Tipp: Mais, tatsächlich war es Birne mit Safran) Geschmeckt hat es aber dennoch ausgezeichnet.

Fazit: Höchst aufwendige Küche, wo – in Wahrheit – recht bodenständigen Gerichten neues Leben eingehaucht wird und mit viel Finesse großartige Geschmackserlebnisse erzeugt werden. Und das alles auch noch zu einem gastfreundlich kalkulierten Preis. Wir kommen auf jeden Fall wieder.

Nachdem das hier ein Weinblog ist, noch ein paar Worte zu den Getränken. Als Aperitif gab es ein herrlich erfrischendes Grapefruit Gin Tonic und auch die Weinbegleitung zu den Gerichten war mehr als nur solide. Die Weine (bzw. auch das zum Iberica Schwein servierte Rote Zwickl) waren ein perfekter Begleiter zum Essen, spielten aber nur die Nebenrolle. Was auch völlig in Ordnung ist.

 

 

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