Der zweite Teil (hier ist Teil 1) unseres Wochenendes in der Wachau begann zunächst etwas getrübt. Zum einen waren es Wolken am Himmel, die die grünen Hänge rund um die Ruine Aggstein verhängten und auch die Burg selber etwas gespenstisch wirken ließen. Zum anderen gab es auch das anstehende Freundschaftspiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen unsere Lieblingsnachbarn aus Deutschland. Jeder der mich kennt, weiß, dass an so einem Tag Ausnahmezustand herrscht.

cofJetzt ist auch der richtige Zeitpunkt zu erwähnen, dass unsere lieben Freunde, die mit uns das lange Wochenende verbracht haben, eben Deutsche sind und diese – quasi als Gastarbeiter – in unserem schönen Land Unterschlupf gefunden haben. [Dass ich in Deutschland arbeite, tut hier wirklich nichts zur Sache!!!]. Unsere Töchter sind allerbeste Freundinnen und seelenverwandt und wir verstehen uns alle ausgezeichnet. Dennoch lag (sehr wahrscheinlich nur für mich) ein wenig Spannung in der Luft und das Match war definitiv ein Lackmustest, eine Sollbruchstelle, für unsere Freundschaft.

Aber der Reihe nach. Bei einem kleinen Snack auf der Ruine waren wir uns schnell einig, dass es besser sei, das Spiel nicht anzusehen sondern lieber den lukullischen Genüßen der Wachau zu fröhnen. Ein richtige Entscheidung, eine wichtige Entscheidung.

Wir beschlossen, einen Abstecher zur Domäne Wachau zu machen, wo wir gerade rechtzeitig zu einer Kellerführung kamen. Eine nette Dame von der Domäne hat uns vom Dürnsteiner Kellerschlössel aus durch die unendlichen Weiten des hauseigenen Kellers geführt. Von uralten Weinfässern bis hin zu Amphoren und sogar einem aus dem Tausend-Eimer-Berg in Spitz gehauenen Granitstein, der ausgehöhlt wurde und demnächst mit Wein befüllt werden soll, war alles dabei. Zum Abschluß gab es noch eine kleine Verkostung von Steinfeder bis Smaragd. Nett, informativ und gut.

Das Abendessen verbrachten wir dann auf der rechten Donauseite in Mautern bei einem Heurigen, und ein Liveticker hielt uns über den Spielstand am Laufenden. Nachdem Özil das 1-0 für die Deutschen gemacht hatte, wurde mir gleich mal ein „Siehste, da werden noch ein paar Tore folgen“ reingewürgt. Ich hatte es auch ehrlich gesagt nicht anders verdient. Wir haben uns noch ein bisserl gehäkelt, aber grundsätzlich blieb alles mehr als im grünen (Veltliner) Bereich und es war wieder ein richtig netter Abend. (Ob es am österreichischen Sieg gelegen ist, weiß man nicht. Ich war auf jeden Fall ziemlich entspannt).

Nachdem der hauseigene Wein beim Heurigen eher nur durchschnittlich war haben wir uns noch bei der Hotelbar verabredet. Nach den vielen Wachauer-Flascherln musste dann ein Reparatur Rotgipfler vom Alphart aus Traiskirchen her. Da kann man nie was falsch machen. Als Betthupferl musste es dann noch was Lokales sein und die Wahl fiel auf den „Rock’n Riesling“ 2016 vom Weingut Stagard aus Stein. Der Kellner ist seiner Aufklärungspflicht nicht nachgekommen und hat nicht erwähnt, dass es sich dabei um einen picksüßen mosel-style Riesling handelt. Der Wein wird von der Fachpresse sehr gelobt und ist sicher auch top gemacht, aber für mich – und auch die anderen am Tisch – ist das einfach nichts. Nach dem Gewürztraminer vom Vorabend schon wieder ein Büchsenöffner vorm Schlafengehen. Das hatte offenbar System.

Wir haben auf jeden Fall gut geschlafen und am Abschlußtag stand eigentlich nicht mehr viel auf dem Programm. Wir haben uns entschlossen, unseren Kindern bei den Kittenberger Erlebnisgärten nochmals richtig Auslauf zu geben. Die ließen sich nicht zweimal bitten und genossen den sensationellen Spielplatz in vollen Zügen.

Bei den Erwachsenen ist aber dabei irgendwie nochmals die Lust auf ein Backhendl und vielleicht ein Abschlußflascherl aufgekommen. In null-komma-nichts hatten wir beim Nigl in Senftenberg einen Platz reserviert, und nach Aufbringen sämtlicher Überredungskünste (inklusive pädagogisch komplett wertloser Versprechen von Eis & Co) konnten wir auch die Kinder davon überzeugen, das Gartenparadies wieder zu verlassen.

Es sollte sich als grandioser Abschluß unseres Wochenendes herausstellen. Das Weingut Nigl am Fuße des Schlosses Senftenberg ist nicht nur optisch paradiesisch, nein, man isst auch ausgezeichnet und die Weine sind sensationell. Wir haben einen Grünen Veltliner Pellingen Privat 2016 bestellt. Der fällt unter die Kategorie „leider geil“ und hat nicht sehr lange angehalten. Somit wollten wir auch den Riesling Privat 2016 probieren. Da ist dann aber der Junior Chef auf den Plan getreten und hat uns in den eigenen Weinkeller geführt. Dort lagern ältere Bestände und wir haben uns dann doch für einen 2010er Riesling Privat entschieden. Hocheleganter Riesling mit glasklarer Frucht und Tiefe, der noch keinen Hauch von Alter zeigt. Wirklich grandios und wir kamen nicht umhin, noch das eine oder andere Flascherl mitzunehmen.

Fazit 1: Ich kannte die Wachau (und das naheliegende Kremstal) bisher nur aus unzähligen Tagesausflügen und natürlich viele Weine aus noch unzähligeren Verkostungen. Es zahlt sich aber wirklich aus, einfach mal ein paar Tage dort zu bleiben und aus dem unglaublichen Reichtum an Natur, Kultur und gastronomischem Angebot zu schöpfen. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

Fazit 2: Nachdem unsere Freundschaft das Länderspiel gegen Deutschland locker überstanden hat, hat sie auch definitiv mindestens so ein Potential wie die grandiosen Smaragde aus der Wachau.