Ist er vielleicht gar trocken geworden?“ werden sich wohl einige der (weniger) geneigten Leser gedacht haben, nachdem ich seit einem Monat hier nichts mehr gepostet habe. Ich kann alle beruhigen und versichern, dass ich nach wie vor dem vergorenen Rebensaft sehr zugeneigt bin. In den letzten Wochen (und leider auch noch in den nächsten) hält mich aber die Arbeit (ja, ich verdiene hiermit nämlich tatsächlich nicht meinen Lebensunterhalt) ziemlich auf Trab und meine geistigen Kapazitäten sind leider offensichtlich nicht so ausgeprägt, dass es darüber hinaus für (mehr oder weniger) lustige Weinroulette-Beiträge reicht. Man könnte auch sagen, dass mich die Muse nicht wirklich geküsst hat.

Wie dem auch sei. Ich habe den letzten Feiertag genützt um mich für ein langes Wochenende nicht nur körperlich sondern auch geistig ein wenig von der Arbeit zu absentieren und mich – gemeinsam mit meinen Liebsten und sehr guten Freunden – meinen liebsten Hobbies zuzuwenden: dem Essen und dem Trinken. Als Ort haben wir dafür die wunderschöne Wachau auserkoren, die ja flächenmäßig zu den kleinsten Weinbaugebieten in Österreich zählt, dafür in Sachen Qualität ganz vorne mit dabei ist. Klein, aber oho, sozusagen.

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Wir haben uns gleich mal standesgemäß bei einem der schönsten und besten Heurigen in Österreich, nämlich beim Pulkers, zum Schweinsbraten-Mittagessen getroffen. Dieses Ding mit der krachender Schwarte müsste definitiv unter das Suchtmittelgesetz fallen. Der umtriebige Heurigen-Wirt ist jetzt auch unter die Winzer gegangen. Recht erfolgreich muss man sagen, da der Gelbe Muskateller Federspiel 2017 ein super spritzig-fruchtiger Starter war und der Grüne Veltliner Setzberg Smaragd 2016 danach eine mollige Sexbombe in flüssiger Form.

Wir waren dann etwas mitgenommen und haben den Nachmittag am Pool entspannt, bevor wir uns zum Abendessen im Garten des Nikolaihofs in Mautern niederließen. Nach einem erneuten Gelben Muskateller 2017 zur Einstimmung ließen wir einen Grünen Veltliner Federspiel 2010 folgen. Der Wein war bis 2017 (!), also beinahe 7 Jahre,  im Fass und ist äußerst spannend. Eine der Damen am Tisch hat dann ein „hmmm….ich weiß nicht…der hat doch hinten…ein…hmm….einen….irgendwas“ losgelassen was natürlich dazu geführt hat, dass wir plötzlich alle hinten am Gaumen „irgendwas“ hatten und uns der Wein ein wenig weniger Spaß gemacht hat. Vielen Dank nochmals dafür! So konnten wir den Heimweg natürlich nicht antreten und haben noch einen Gewürztraminer 2015 nachgeschoben, der nicht umsonst so ein rosa/violettes Etikett hat. Der ist nämlich halbtrocken (wie wir davor nicht wußten) und ein „Büchsenöffner“ vor dem Herrn, wie am Tisch sofort festgestellt wurde. Sicherheitshalber sind wir dann schnell zurück ins Hotel.

Am nächsten Tag stand die – in der Wachau – obligatorische Schiffsfahrt zwischen Spitz davund Dürnstein und wieder zurück am Programm. Das Wetter war postkartenmäßig und nachdem wir vorm Einsteigen bei der Rückfahrt noch etwas Zeit hatten, haben wir uns ein schnelles Dreh und Drink in Form einer praktischen Halbflasche Grüner Veltliner Federspiel 2017 genehmigt. Man will ja in der Hitze nicht dehydrieren.

Auf dem Weg zurück von Spitz haben wir dann einen kurzen Zwischenstopp beim Knoll’schen Loibnerhof gemacht. Was soll man groß sagen. Der Gastgarten ist ein wahres Paradies, und wir haben standesgemäß gleich mit einem der absoluten Höhepunkte des gesamten Ausflugs begonnen: Riesling Smaragd Schütt 2016. Ein ungemein präziser, eleganter Riesling mit Ananas und Maracuja Touch. Sensationell! Kein Wunder, dass der weg war bevor mein Backhendl serviert wurde. Dazu gab es dann noch einen Grünen Veltliner Smaragd Schütt 2013, der viel breiter und wuchtiger im – sehr, sehr geilen – Zalto Denk.art Glas daherkam. Sicherheithalber haben wir vom Knoll einen 6er Karton mitgenommen.

Der Abend war dann ebenfalls feucht-fröhlich, was aber eher am wolkenbruchartigen Regen lag, der den Heurigen in ein heilloses Durcheinander (und ziemliches HeurigerSchlammloch) verwandelt hat. Die Leute sind zusammengerutscht und die Damen vom Service haben sich vom Wetter nicht behindern lassen und haben mit Schirmen bewaffnet einfach weiterserviert. Die Brettljause war hervorragend und die zwei Flaschen Wein, die wir aus osmotischen Gründen (um nämlich für einen Flüssigkeitsausgleich zwischen innen und außen zu sorgen) trinken mussten, haben für einen richtig netten Abend gesorgt.

Die ersten beiden Tage waren also schon herausragend und die Frage „Ist er jetzt trocken?“ wurde auch gleich nachhaltig beantwortet. Die restlichen beiden Tage waren ebenfalls voller Höhepunkte, aber das ist eine andere (nämlich die nächste) Geschichte.