Der kultivierte Leser weiß wohl, dass der berühmte Donauwalzer vom Hansl Strauß junior in Wahrheit eine Ode an die schöne „blaue“ Donau ist. Jeder, der die Donau regelmäßig sieht, hat aber sicherlich Probleme mit dieser farblichen Assoziation. Ganz ehrlich, der Strom ist wundervoll, aber zumeist smaragdgrün, manchmal etwas gräulich-silbern, aber blau ist er nur im weltberühmten Walzer, der inoffiziellen Hymne der Stadt Wien. Dass ich dieses Werk nicht mehr hören kann, weil es die Austrian Airlines vor jedem Start und nach jeder Landung in Dauerschleife laufen lässt, ist wiederum eine andere Geschichte. 

In Wien gibt es aber natürlich nicht nur die wunderbaren Walzer sondern auch das Wienerlied, das sich in erster Linie mit dem Thema Wein auseinandersetzt. Womit wir beim eigentlichen Thema wären.

Wien gilt ja nicht nur als Hochburg der Kultur, sondern ist auch die einzige Weltstadt die über signifikanten eigenen Weinbau verfügt. Eigentlich kein Wunder, wenn man an die Wiener denkt. Da hat sich die Natur wohl gedacht, dass dieser grantelnde Menschenschlag auf jeden Fall Alkohol benötigt. Oder war es vielleicht doch umgekehrt? Wie auch immer. Wien und Wein sind über die Jahrhunderte eine wundersame Symbiose eingegangen.

Das gilt in erster Linie für den Weißwein, bei dem vor allem der Gemischte Satz in den letzten 20 Jahren für Furore gesorgt hat. Dass in Wien jedoch auch hervorragender Rotwein wächst, zeigt Fritz Wieninger. (Dem hat man sicher schon oft zu seinem gelungenen Namen gratuliert. Und wenn nicht, dann mache ich das hiermit zum ersten Mal. Wein aus Wien vom Wieninger. Haha, das kriegen nicht mal die besten Werbeagenturen besser hin). Vor allem sein Pinot Noir Grand Select ist hier herausragend, aber auch der Merlot Grand Select ist eine ganz feine Sache. Was mir bisher aber noch nie ins Glas gehüpft ist, ist die Cuvee des Hauses, der Danubis Grand Select.

Völlig überrascht war ich, als meiner Frau und mir unlängst in der Weinbar „Heunisch & Erben“ auf die Anfrage „Wir hätten gerne etwas Rotes, fein gereift, aus Österreich!“ ein solcher Danubis aus dem Jahr 2001 angeboten wurde. Ich war eher der Meinung, dass es den Danubis noch gar nicht so lange gibt. Die Neugierde war also mehr als geweckt.

Danubis22001 gilt jetzt nicht als das herausragendste Rotweinjahr in diesem Jahrtausend, aber die Qualität war durchaus gut, und vor allem die großen Winzer haben teilweise wirklich gute Weine hinbekommen. So war es dann keine große Überraschung, dass der Danubis (50% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot und 20% Zweigelt) ausgezeichnet war. Ein sehr ruhiger Wein, der den Sturm und Drang der Primärfruchtphase bravourös hinter sich gebracht hat und nun vielmehr mit feiner Noblesse im Stil eines Bordeaux zu überzeugen vermag.

Hätte Johann Strauß Sohn diesen roten Danubis beim Komponieren im Glas gehabt, wäre der Titel seines Meisterwerks wohl anders ausgefallen. Vielleicht hatte er sich aber ohnehin ein gutes Tröpferl zu Gemüte geführt und das „blau“ im Titel ist ein versteckter Hinweis auf seinen Zustand. Man weiß es nicht.