Es wird den geneigten Leser jetzt wohl nicht großartig überraschen, dass ich der Meinung bin, im letzten Jahr brav gewesen zu sein. Und zwar brav genug, dass mir der Osterhase als Belohnung schon vor dem Ostersonntag das eine oder andere Osterei, in Form einer 0,75 Bouteille, ins Nest gelegt hat. Nachdem die Wochen und Monate bis zum Sommer beruflich äußerst intensiv werden, haben wir uns in der Osterwoche ein paar Tage frei genommen und sind – eigentlich zum Skifahren – nach Altenmarkt ins schönen Salzburgerland gefahren.

„Eigentlich“ deswegen, da sich das Wetter äußerst April-mäßig präsentierte und wir am ersten Tag die Sauna einem möglichen Schitag bei strömendem Regen vorgezogen haben. Am zweiten Tag hatte es dann wiederum über 15 Grad und strahlenden Sonnenschein und wir haben uns entschlossen auf die patzigen Pisten zu verzichten und statt dessen ein Eis in der Salzburger Altstadt zu genießen.

Auch wenn es anders als geplant war, war alles allerbestens, wofür auch die gute Küche und die feine Weinkarte des Hotels Kesselgrubs in Altenmarkt verantwortlich war. Aus letzterer haben wir gleich am ersten Abend einen Impresario 2011 vom Weingut Paul Kerschbaum probiert. Die Cuvee aus Blaufränkisch, Zweigelt und Merlot ist ein richtig geiler roter Bomber und wohl auf einem ersten Höhepunkt. Wenn man den im Keller hat, muss man jetzt sicher nicht hysterisch runter laufen und einen nach dem anderen aufreißen, sondern hat noch viele, viele Jahre Zeit.

Am zweiten Abend habe ich eine Kellnerin ordentlich ins Schwitzen gebracht, da ich nach einer der – in der Karte angeführten – Raritäten (sprich Einzelflaschen aus der Vinothek) gefragt habe. Sie konnte damit gar nichts anfangen und erst als ich ihr den Ab

Scarzello

satz in der Karte gezeigt hatte, tat sie so als wüßte sie Bescheid. Ich bin dann mit dem Chef persönlich in die sehr schöne Vinothek gegangen, wo ich mich auf die Suche nach einem ganz besonderen Osternest machen durfte. Ich wurde sehr schnell fündig und war keine fünf Minuten später bei meiner – ob meines Auftritts wieder einmal peinlich berührten – Frau. Der Wein, ein Barolo Scarzello 2007, war eine Sensation, wogleich die Liebe zum italienischen Rotwein bei uns in der Familie etwas ungleich verteilt ist und ich viel mehr Spaß mit dem Scarzello hatte als meine liebe Gattin. Naja, wirklich ihr Problem.

Am letzten Abend dann – für uns – ein kleines Experiment. Weißwein zum Essen. Etwas, das wir ganz selten kombinieren. Geworden ist es ein Chardonnay Lores 2016 vom Weingut Johanneshof Reinisch. Ich steh ja sehr auf diese leicht „barriquigen“ weißen

Lores

Burgunder und somit hatte ich auch mit der Lores meine helle Freude.

Es waren ein paar sehr feine Tage und wenn ich es mir recht überlege, dann hab ich mich eigentlich selbst fürs Bravsein belohnt. Der Osterhase sollte noch seinen großen Auftritt haben, aber das ist eine andere Geschichte.