Ich würde mich selbst als jemand einschätzen, der Neuem grundsätzlich sehr offen gegenüber steht, gerne alles probiert und so seinen Horizont immer weiter auszubauen versucht. Das beginnt schon in Kleinem, indem ich zum Beispiel im Fast-Food Restaurant immer die aktuellen Burger probiere, die nicht im Standardprogramm stehen. Bezüglich Urlaub wäre es für mich die Hölle, wenn ich jedes Jahr nach Griechenland fahren müsste, vielleicht auch noch immer in den gleichen All Inclusive Club.Aber bleiben wir beim Essen. Ich liebe es, wenn mich im Restaurant die Küche überrascht. Das Prinzip „Carte blanche“ finde ich persönlich sensationell, wie wir letzte Woche im „Pramerl & the Wolf“ in Wien wieder einmal erleben durften. Der Chef fragt eigentlich nur, wie neugierig man ist bzw. ob man etwas nicht essen darf oder möchte. Mehr Information benötigt der vetrauenswürdig wirkende Mann nicht und man überlässt den Rest seinen kundigen Händen.

Das geschenkte Vertrauen wurde mit einem Feuerwerk an spannenden Kreationen mehr als zurückgegeben. Die sieben Gänge waren (auch bei mir, der ja bekanntlich alles isst) sehr Gemüse- bzw. Fisch-lastig und die Inkredienzien waren perfekt aufeinander abgestimmt. So etwa die Topinamburcreme zum Dessert (!), die wunderbar mit der frischen Maracuja und dem Kaffeeeis harmoniert hat.

Herausragend das selbstgemachte Brot mit der selbstgemachten Butter. Das Suchtmittelgesetz muss wohl demnächst entsprechend erweitert werden.

Dazu haben wir selbstverständlich auch die Weinbegleitung genommen, die größtenteils ausgezeichnet war und mit sehr viel Hirnschmalz und Liebe auf die Speisen abgestimmt war.

Persönlich war sie mir aber etwas zu Naturwein-fokussiert. Ich hab diesbezüglich vieles probiert und die richtig guten Vertreter sind – zumindest für meinen Gaumen bzw. Nase – eher die Minderheit. Diesmal waren einige ausgezeichet, aber es hat auch zwei richtige Ausreißer gegeben. Zunächst ein absolut reduktiver Chardonnay aus Österreich, der ganz offensichtlich praktisch ohne Sauerstoff-Zusatz ausgebaut wurde. Das war kein Stinkerl mehr, das einem da in der Nase entgegen strömte, nein, das war ein in Flaschen abgefüllter Eierschas. Ganz ehrlich. Ich möchte soetwas im Weinglas einfach nicht riechen und ich kann mir echt nicht vorstellen, dass das jemand super findet. Das ist kein Genuss mehr, das ist ein Fetisch! Zur Ehrenrettung: geschmeckt hat der Wein sehr gut.

Dann kam zum nächsten Gang wieder ein Chardonnay, diesmal aus Frankreich, der ganz am anderen Ende der Sauerstoff-Skala angesiedelt war. Dieser Wein wurde offensichtlich äußerst oxidativ ausgebaut. In der Nase eine ungemeine Sherry-Note die sich auch am Gaumen wieder fand. Aber, wenn ich Sherry trinken möchte, dann trinke ich Sherry.

Diese beiden Vertreter waren aber gottseidank die Ausnahme an einem mehr als gelungenen kulinarischen Abend, wo es auch einige spannende naturnahe Überraschungen gab (z.B der Graue Freyheit vom Heinrich, aus der Tonflasche. Irres Zeug, das zwar nicht nach Wein aber dennoch sehr gut geschmeckt hat).

Um zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Man sollte der Welt und Neuem offen gegenüberstehen, aber mögen muss man wahrlich nicht alles. Und auch wenn der Markt offensichtlich die Grenzen des Möglichen massiv erweitert hat, bleibt – zumindest für mich – ein Weinfehler, auch wenn er noch so wunderbar verpackt und vermarktet ist, das was er im Endeffekt ist: inakzeptabel.