….zwar nur für drei Tage, aber dennnoch. Das ist nicht Nichts und kann selbst einen gestandenen Mann schon mal aus der Fassung bringen. Ich bin also äußerst untröstlich. Selbst der Blick auf das Fernsehprogramm und die Aussicht heute Abend wirklich vier Stunden – ohne lästige Störungen – durchgehend Europa League Achtelfinale sehen zu können, macht es jetzt nicht wirklich besser. Durch einen dichten Tränenschleier erhasche ich einen Blick auf diverse Wein & CO Aktionszettel, die da am Couchtisch vor mir liegen. Naja, wenn sonst keiner mit mir spielt, dann muss ich halt mit mir selbst spielen.

Ich mache mich also auf den Weg durch das frühlingshafte Wien und lande seit langer Zeit wieder einmal beim Wein & Co in der Jasomirgottstraße um meine Untröstlichkeit mit zwei drei Wein-Granaten ein wenig zu lindern. Ich steuere dort gleich die Raritäten-Abteilung an und merke sofort, dass Rarität jetzt nicht unmittelbar etwas mit Alter zu tun haben muss. Kein Wein älter als 2010, dafür aber schon richtige Granaten. Teuerster Wein übrigens EUR 15.000,-. Ich sehe kurz auf meinen Wein & CO Jahresbonus und auf die Osteraktion (-minus 30%), rechne das kurz durch und komme zum Ergebnis, dass mich im Falle eines Kaufs meine Gattin wohl länger als drei Tage verlassen würde….also keine gescheite Wahl!

Nach einigem Hin und Her und Diskussion mit dem W&C Verkäufer über das Für und Wider des Warums bzw. das zu frühe Trinken von Granaten, entschließe ich mich für einen Knoll Riesling 2016 Vinotheksfüllung (noch jünger gibts den noch nicht :-)) und einen J. Heinrich Cupido 2012 „désir amoreux“. [Was mir gar nicht aufgefallen ist: Cupido ist ja lateinisch „Begierde“ und der Beinamen des 2012ers bedeutet „liebendes begehren“. Romantisch, und ein Beweis wie mein Frau-loses Unterbewußtsein funktioniert].

Ich bin begeistert und der Plan ist, die beiden Weine noch mit einer Kracher Trockenbeerenauslese Nummer 1 2011 von zuhause zu ergänzen (alle guten Dinge sind drei) und die drei Weine – nebeneinander und Glasweise – über die nächsten drei Tage hindurch zu verkosten.

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„Vinotheksfüllung“ ist im Hause Knoll das Synonym für das Beste was Grüner Veltliner und Riesling zu bieten haben. Der Riesling 2016 ist meine erste Vinotheksfüllung und dementsprechend erwartungvoll war ich dann auch. Das erste Glas hat mich gleich mal richtig umgehauen. Natürlich viel zu jung, mit zu wenig Luft versehen zeigte der Wein gleich unfassbare Länge und Präzision, die mich voll in ihren Bann gezogen haben. 24 bzw. 48 Stunden später hat sich nichts an der Länge verändert, der Wein hat aber etwas aufgemacht und mich in den Riesling Himmel geschickt. Grandios.

Den Cupido des Weinguts J. Heinrich, den es nur in den ganz großen Rotweinjahren gibt, ist ein Blaufränkisch der Superlative, gemacht aus den besten Fässern des Weinguts von Silvia Heinrich. Das merkt man auch sofort im Glas. Dunkel, tief, enorme Kraft und voller Geheimnisse, die er mir definitiv nicht sofort preisgegeben hat. Was am ersten Tag nur angedeutet wurde, wurde dann nach 24 und noch mehr nach 48 Stunden offenkundig: ein sensationeller Rotwein aus Österreich, der locker auf der ganzen Welt reüssieren kann.

Als jeweiligen Abschluss, quasi als Dessert, an jedem Tag gab es dann noch ein Glas von der Kracher Traminer Trockenbeerenauslese Nummer 1 2011. Ganz großer Stoff. Ölig, ewig mit einer super Balance aus Süße, Säure und Alkohol. Bei der TBA habe ich die wenigste Veränderung über die drei Abende bemerkt und würde sagen, dass der Wein für die Ewigkeit gemacht ist.

Einsatz: Trotz eingelöstem Jahresbonus und Osterhasenaktion musste ich für den Rot- bzw. Weißwein ein wenig ins G’sparte reinfahren. Den Kracher hatte ich vor einigen Monaten über Ebay um wohlfeile EUR 18,- bekommen.

Gewinn: Die drei Flaschen gehören zweifelsohne zum Besten was Österreich in Sachen Rot-Weiß-Süß zu bieten hat. Ich hatte richtig Spaß damit, auch mit der Beobachtung der Entwicklung über die drei Abende hinweg.

Fazit: Trotz der großen Freude war dennoch klar: allein machts nur den halben Spaß oder man könnte auch sagen: Geteilte Freude ist doppelte Freude.