Ich bin ja oft ein recht einfaches Gemüt und schon geringste Reize können bei mir äußerst kindische (aber für mich lustige) Assoziationen auslösen. Meine Tochter hat zum Beispiel in Hongkong so ein kleines Plastik-Handy bekommen, das irgendeine asiatische Kindermusik spielt, was dazu führt, dass ich dann stundenlang “Samurai” von der EAV im Ohr habe. Ähnlich erging es mir vor einiger Zeit, als jemand einen Wein mit dem Namen „Red Bessi“ auf willhaben.at eingestellt hat. Sofort hatte ich ein wildes Gitarrenriff und „Black Betty“ in Endlosschleife in meinem Kopf.

Es war also sonnenklar, dass ich den Wein haben muss. Ich begab mich Richtung Hauptbahnhof und holte den Wein, der übrigens von einem mir bisher komplett unbekannten Winzer namens Michael Gindl aus Hohenruppersdorf (Weinviertel) kommt, von einem netten Verkäufer. Was mir bei der Übergabe sofort – neben der recht ansehnlichen Aufmachung – auffiel: es gibt auf der Flasche keinerlei Hinweis auf den Jahrgang.

Der Grund dafür war nach einer kleinen Recherche schnell klar. Bei meiner Red Bessi handelt es sich um eine Cuvee aus 2011er Zweigelt und 2012er Cabernet Sauvignon Trauben. Zusätzlich erfahre ich aus diversen Beiträgen in Netz, dass die Trauben bei Michael Gindl im Ganzen vergoren werden und sechs Monate auf der Maische bleiben. Bei der Red Bessi kommt der Zweigelt dann 24 Monate und der CS 12 Monate in Eichenholzfässer (die aus dem Holz des eigenen Waldes hergestellt werden). Erst ganz zum Schluss wird dann noch Schwefel in homöopathischen Dosen dazu gegeben. Ein Naturwein, also.

Das ist also alles nur kein hartes Gitarrenriff, sondern unplugged, wenn überhaupt. Vielleicht sogar nur A cappella. Der geneigte Leser kennt meine Skepsis bezüglich dem „neumodischen Zeugs“ (das eigentlich vorgibt besonders altmodisch zu sein) aber ich bin dennoch sehr gespannt.

Im Glas fällt sofort dieses unglaubliche Violett auf. Als Rapid-Fan kann es einem da schon mal einen ordentlichen Stich geben. Nachdem man aber selbst als eingefleischter Grüner nicht immer nur Veltliner trinken kann, muss man da halt durch.

Sowohl Geruch als auch Geschmack sind dann ein wildes Sammelsurium an normalen und – sagen wir es vorsichtig – überraschenden Rotweinaromen. Alles sehr intensiv und jeder Schluck ist eine Herausforderung an die Geschmacksnerven, die ein so wildes Hin und Her nicht gewohnt sind. Mein Frau sieht mein etwas irritiertes Gesicht und fragt mich, wie der Wein denn schmeckt. Meine lapidare Antwort. „Ich kann es Dir nicht sagen, irgendwie ist jeder Schluck anders. Unterm Strich schmeckt er irgendwie…..trüb. Aber gar nicht schlecht.

Ich habe mir zwei, drei Gläser für den nächsten Tag aufgehoben und war erneut über die Wandelbarkeit des Weins erstaunt. Am nächsten Tag ging es Red Bessi (übrigens nach einer Kuh des Winzers benannt) viel ruhiger und harmonischer an. Auch die Trübe des Vortags hatte sich etwas verzogen.

Einsatz: EUR 7,-

Gewinn: 1-1, Eine Flasche Wildnis. Alles nur nicht konventionell und auch sicher nicht für den mainstream Gaumen gedacht, war es für mich sicher eines der besseren natural wine Erlebnisse bisher.