Die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen ist wahrlich kein Kindergeburtstag und sicher nichts für Asketen. Ein kulinarisches Gemetzel, bis die Leber schreit. Alles beginnt ja schon mit dem Weihnachtsabend, wo man meist aufs Ganze geht und üblicherweise kein Auge und kein Glas trocken bleibt. Das gnadenlose, äh gnadenbringende Gelage wird dann mit diversen Besuchen bei Verwandten prolongiert. Die wollen sich nämlich auch keine Blöße geben und fahren mit Lachs, Hirsch, Gansl & Co auf. Von den Keksen und Torten mal ganz abgesehen. Die stille Zeit wird dann noch garniert mit einem Besuch von Freunden, wo man sich auch nicht lumpen lässt und ein Kuh auf die Herdplatte führt. Enden tut das dann zumeist mit einem intensiven Silvesterabend, dem Tag danach und dem Gedanken: Nie wieder! Ab jetzt wird alles anders und überhaupt….Wenn man jetzt einen dokumentarischen Auftrag in Sachen Wein hat, ist nun aber auch der Moment, inne zu halten und den kläglichen Versuch zu starten, zu rekapitulieren und eine halbwegs akkurate Liste der getrunkenen Weine zu fabrizieren. Es wäre leichter, wenn man alles was man trinkt fotografieren würde, aber da bekommt man es gleich auch mal mit der Angetrauten zu tun, die das als ziemlich blöd – wenn nicht sogar asozial – einstuft. Nachdem man den fragilen Weihnachtsfrieden nicht stören möchte, verzichtet man also auf Flaschenfotos mit irritierten Verwandten im Hintergrund (die sich entweder denken „Was haben wir in der Erziehung falsch gemacht?“ oder „Leider hat unsere Tochter einen ziemlichen Vogel als Mann abbekommen.„, je nachdem wo man sich gerade aufhält).

So sitze ich nun da und habe keine Ahnung mehr, was ich am 25. und 26. getrunken habe. Es müssen rund 8 verschiedene Weine gewesen sein, die in größeren Runden verkostet wurden. Ich kann mich immerhin an einen 2017er Steinfeder aus der Wachau erinnern. Ein richtiger Jungspund, der einen kleinen Ausblick auf einen sagenhaften Jahrgang 2017 gab. Danach weiter in der Wachau mit einem Smaragd vom Rudi Pichler. Der geneigte Leser würde jetzt wahrscheinlich gerne wissen, welcher Jahrgang und ob Grüner Veltliner oder Riesling. Ich muss leider zugeben, dass ich keine Ahnung habe. Gut war er, aber ob das jetzt jemandem hilft? An einen Wein kann ich mich aber noch ganz genau erinnern. Der Tenet 2012, der schon im Oktober bei mir ein Hauptdarsteller eines Blogs war, hat mich diesmal noch mehr überzeugt als damals.

Was den 27.12. betrifft sind meine Erinnerungen erheblich besser, da es sich um einen Big Bottle Tag handelte und wir im Familienkreis zunächst einen Chardonnay Groß Adlersberg 2015 vom Weingut Schuller getrunken haben. Der war frisch im Glas noch ein wenig geschreckt, wurde aber mit ein wenig Temperatur und Luft immer besser. Dann wurde ein big Big John 2015 kredenzt, der sowieso eine sichere Bank ist und zum Gansl perfekt gepasst hat. Abschließend noch ein Carmenere Gran Reserva 2012, der geschmacklich etwas eigen war. Schwer zu beschreiben, aber irgendwie hats für mich nicht gepasst.

Nach solchen Strapazen muss man sich auch mal eine Auszeit gönnen und so waren dann am 29. in der Therme. Nach 5 Aufgüssen hatte ich den meisten Alkohol der letzten Tage rausgeschwitzt und war am Abend im Hotelrestaurant der Therme quasi Neujahrsvorsätze2jungfräulich und bereit für neue Taten. Die sensationell (oder ökonomische fragwürdig) kalkulierte Weinkarte hat uns einen Gaja 2012 Sito Moresco (um EUR 45,-!!) aufgedrängt. Mir hat der extrem getaugt, meiner Gattin nicht so besonders.

Der 30. brachte einen äußerst souveränen Bründlmayer Kamptaler Riesling 2016. Der macht nichts falsch. Danach einen sehr spannenden Rosé aus der Provence mit dem wenig französischen (aber dafür perfekt zur Jahreszeit passenden) Namen „Whispering Angel“. Den in einer lauen Sommernacht auf der Terrasse…. mhmm, da könnte man ins Träumen kommen.

Am Silvester selbst war ich dann schon ein wenig geschlaucht und so bin ich nach einem Moet Chandon Imperial, den wir zum Fondue geschnappt haben, beim eigentlich als Höhepunkt gedachten Dom Perignon 2006 (der immerhin fast 1,5 Jahre bei uns lagerte – eigentlich ein Kandidat für „auf damit!!“ – und ein Geschenk meines ehemaligen Chefs beim Abschied war) nach dem dritten Glas eingegangen und unmittelbar nach Mitternacht auch schon im Land der Träume gewesen. Am Schampus lag das aber nicht, der war einfach grandios. Man sollte eigentlich niemals etwas anderes trinken!

Fazit 1: Schön wars, gut wars und überhaupt ist nicht entscheidend was man zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige isst, trinkt und (nicht) macht als das was zwischen Heilige Drei Könige und Weihnachten passiert!

Fazit 2: Ich bin kein Mann der Neujahrsvorsätze, außer dass 2018 hoffentlich so gut und glücklich sein wird wie die letzten Jahre. Naja, ich habe mir schon vorgenommen, dass die Weinroulette-Beiträge heuer lustiger werden sollten. Sie werden sich jetzt vielleicht denken, dass das hier dann aber kein guter Anfang ist, aber das Jahr ist ja noch jung.

Fazit 3: Ich darf dem geneigten Leser ein fantastisches Jahr 2018 wünschen.

[Fazit 4: Mein Blog lebt von schonungsloser Ehrlichkeit. Aber man muss ja nicht alles immer schreiben. Zum Beispiel, dass ich in einer kleinen künstlerischen Pause zwischen Beginn und Ende dieses Artikels ein riesiges Wiener Schnitzel gegessen habe. So als wäre der Wahnsinn der letzten Tage gar nicht passiert….]

Schnitzel