…oh kommet zur Ruh! Jeder der zuhause ein oder gar mehrere kleine Kinder hat, weiß wovon ich spreche. Unser dreieinhalbjähriges Mädchen ist ein kleiner Wildfang und hat – so ehrlich muss man sein – die Familie natürlich fest im Griff. Und zwar das ganze Jahr, wobei es dann rund um Weihnachten nochmals ganz besonders eklatant war.

Unser Advent war heuer äußerst kurz, da wir erst knapp vor dem zweiten Adventsonntag von einem Asienurlaub zurückgekehrt sind. Dennoch waren wir richtig schnell mit unseren Weihnachtsvorbereitungen, hatten am 22. Dezember schon alles unter Dach und Fach und am letzten Tag vor Weihnachten daher nichts mehr zu erledigen. Das Wichtigste (nämlich den Weihnachtswein) hatte ich vorsorglich schon Anfang November besorgt. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für eine ruhige Zeit, wenn es da nicht ein Mädchen im vorweihnachtlichen Ausnahmezustand gegeben hätte.

Nachdem wir noch einen Bahn-Gutschein hatten, der mit Ende des Jahres ausgelaufen wäre, hatte meine Frau die Idee, am 23. Dezember noch schnell den Weihnachtsmarkt in Bratislava zu besuchen. Wenig später saßen wir auch schon im Zug, als uns das zum Ticket beigefügte Informationsheft über die Tatsache aufgeklärt hat, dass in Bratislava (warum zum Henker auch immer??) der Weihnachtsmarkt am 22. Dezember schließt. Unserer Tochter hat das aber nichts ausgemacht und sie war – wie schon den ganzen Tag – mehr als ausgelassen und eigentlich komplett überdreht. Man freut sich ja riesig, wenn die Sprößlinge beginnen die ersten Worte zu sprechen, aber wenn sie dann gar nichts anderes mehr tun als die ganze Zeit irgendetwas dahinzu plappern, dann wünscht man sich die gute alte und ruhige Zeit zurück.

Am Weihnachtstag selbst war es dann natürlich auch nicht anders. Wir haben uns schon vor Jahren entschlossen keine Christkind-Show abzuziehen und unsere Tochter in sämtliche Vorbereitungen (Baum schmücken, Kochen etc.) zu involvieren. So konnte man die überbordende Energie einigermaßen in die richtigen Bahnen lenken. Dennoch war natürlich Halli Galli, zumal sie bei einem – die Wartezeit verkürzenden – Kinobesuch auch noch ausreichend Zucker in sich hineingestopft hat. Ich hatte ehrlich gesagt, schon ein wenig Schiss vor dem Abend und wurde dann aber doch angenehm überrascht. Die Bescherung selbst war zwar insgesamt ein wenig unromantisch und äußerst Geschenke-orientiert, aber danach wurde drei Stunden lang brav alleine gespielt und wir hatten endlich Zeit für uns, unser Weihnachtsmenü und unseren Weihnachtswein. Dieser sollte gemäß unseren Spielregeln (mehr als 20 Jahre alt, unter EUR 200,-, ein Schnäppchen, weil ganz große Klasse) per se schon einen massiven Kontrapunkt zur unbändigen Frucht unserer Lenden darstellen.

Ich hatte einen Sassicaia 1983 auserkoren (den ich um knapp EUR 200,- von den Jungs von trinkreif.at erstanden habe) und damit eine mehr als ausgezeichnete Wahl getroffen. Die italienische Weinlegende (den es seit 1968 am Markt gibt und den man getrost als Vater der Supertoskaner bezeichnen kann) zeigte keinerlei Spur von Alter, war elegant ohne Ende und wurde mit jedem Glas besser – was möglicherweise auch daran lag, dass die letzten Gläser getrunken wurden als unsere Tochter schon seelenruhig im Träumeland verweilte.

Meine Frau und ich waren uns einig, dass der „Sassi“ nach dem Mouton 1988 bisher unser bester Weihnachtswein war. Was vor allem auch daran liegt, dass er – Italien-untypisch – aus mehr als 80% Cabernet Sauvignon besteht und somit auch meiner Gattin mundete, die nicht so der Freund von Chianti und Co ist.