Was war das damals für eine Aufregung!? Am Ende des letzten Jahrtausends ist man ziemlich fix davon ausgegangen, dass das neue Jahrtausend mit einer Katastrophe beginnen würde. Szenarien apokalyptischen Ausmaßes wurden vorhergesagt. Grund für diese Katastrophenvorhersagen war der – vermeintlich komplizierte – Datumssprung von 1999 auf 2000, bei dem man nicht genau wusste wie die Computersysteme dieser Welt damit umgehen würden und was passieren würde, wenn plötzlich nichts mehr geht.

Kurzum: Angesagte Katastrophen finden üblicherweise nicht statt und genauso war es auch im Jänner 2000. Außer ein paar Kleinigkeiten (die Telekom Italia hat die ersten Monate Rechnungen mit dem Datum 1900 verschickt; in zwei australischen Bundesstaaten fielen Fahrkartenentwerter und, bei einer Pferderennbahn in Delaware, 150 Automaten aus, etc.) verlief alles ruhig und ohne grobe Probleme. Grund dafür war natürlich auch die immens hohe Summe an Investitionen (geschätzt rund 600 Milliarden US Dollar weltweit) die in die Y2K Bug Projekte gesteckt wurde.

Von diesen technischen Aufregungen völlig unberührt hat sich dann das Jahr 2000 in sehr vielen Weinregionen zu einem herausragenden Weinjahr entwickelt. In Bordeaux gilt 2000 als Ausnahmejahrgang, aber auch in Österreich hat der warme, trockene und sehr sonnige Witterungsverlauf zu sensationeller Qualität geführt. Davon durfte ich mich in den letzten Tagen gleich mehrfach überzeugen.

Begonnen hat alles mit einem Schloss Gobelsburg Ried Lamm 2000, den ich um EUR 12, – bei willhaben erstanden habe. Ried Lamm gehört ja zu den absoluten Toplagen im Kamptal und ist auch im Hause Gobelsburg ein Aushängeschild. Die unglaublichen 14,5% Alkohol lassen den Wein stehen wie eine Eins! Was für ein Wuchtbrummer. Eigentlich wäre alles da was ein großartiger weißer Altwein benötigt. Frucht, Süße, Struktur, und auch ein leichter Alterston ist durchaus gerne gesehen. Dem heißen Jahr musste aber insoferne Tribut gezollt werden, als diese geradezu barocke Üppigkeit als kongenialen Partner eine straffe Säure benötigt hätte. Hat sie aber nicht, was den Trinkfluß leider etwas mindert.

Interessanterweise war tags darauf ein Pannobile 2000 von Judith Beck viel eleganter, feinwürziger, graziler und deswegen auch trinkanimiernder als die zur weißen Flüssigkeit gewordene Granate der Gobelsburger. Die Winzerin hat das Weingut 2000 übernommen und gleich im ersten Jahr mit dem Pannobile einen tollen Wurf gemacht. So muss gereifter Rotwein! Der Wein hat es über willhaben um EUR 7,- zu mir geschafft.

Aber auch der Ostarrichi 2000 vom Weingut Markus Schuller hat sich eine Woche davor als ein hervorragend gereifter Rotwein präsentiert, dem man nur in der Nase das Alter anmerkte.

Wie gut der Jahrgang aber wirklich ist, konnte ich mit meinem Abschluß-2000er feststellen. Einem Jurtschitsch 2000 Rotspon. Wobei es sich dabei aber nicht um die Reserve, sondern die leichtgewichtiger Classic-Variante handelte, die ich ebenfalls um EUR 7,- über willhaben erstanden hatte. Naturgemäß fehlte dem Wein (der ja von der grundsätzlichen Ausrichtung nicht auf Haltbarkeit getrimmt ist) etwas der Druck. Dennoch zeigte sich der Rotspon voller Leben und er hat mir als feingliedriger und vor allem fruchtiger Wein, der – im Gegensatz zum Kamptaler Kollegen Lamm – mit schön eingebundener Säure ausgestattet war, richtig gut geschmeckt. Eine Überraschung.

 

Einsatz: EUR 12,- (Ried Lamm), jeweils EUR 7,- (Pannobile und Rotspon)

Gewinn: 1-5; Mit relativ geringem Einsatz habe ich fast 18 Jahre danach das tolle Jahr 2000 Revue passieren lassen können. Welch Segen, dass die Welt am 1.1.2000 nicht untergegangen ist 🙂

 

 

 

 

 

 

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