Als Kind der 80er Jahre ist das Phänomen des Ribiselweins (zumeist Adabei) selbstverständlich nicht spurlos an mir vorübergegangen. Ganz im Gegenteil. Ich habe im noch unerlaubten Alter (das war aber schon Anfang der 90er Jahre) meinen ersten intensiven Kontakt mit dem Thema Alkohol mit einer Flasche Adabei und einer Flasche Baileys gemacht. Ohne mich jetzt in Details zu verlieren, kann gesagt werden, dass dieser Erstkontakt dazu gefüht hat, dass ich mir hoch und heilig selbst versprochen habe („Niemals wieder!!“), beide Getränke nie wieder anzurühren. Das hat auch geklappt, bis letzten Samstag, mehr als 26 Jahre später…

Bei einem gemütlichen Ganslabend im Kreis der Familie ist meine Schwägerin plötzlich mit einer Flasche – ein „Experiment“ – dahergekommen, die sie aus dem privaten Weinklimaschrank gefischt hat. Das Experiment bezog sich dabei auf die Herkunft. Mal abgesehen davon, dass der Wein aus der Slowakei kam machte die Flasche einen guten Eindruck, immerhin pickten auch zwei Prämierungen drauf.

Adabei2Die Flasche wurde fachmännisch entkorkt und ich durfte den Probeschluck der darin befindlichen dunkelroten Flüssigkeit machen. Na prack, was ist das?! Die Synapsen in meinem Weinhirn glühten und längst vergessene Erinnerungen (man könnte fast von einem Trauma sprechen) kamen hoch. Eine unglaubliche Cassisnote kam mir da entgegen und der Probeschluck ließ dann alles, was ich auf meiner Festplatte unter dem Begriff „Marmeladinger“ abgespeichert hatte, als hamtige Kratzbürsten erscheinen. Wäre der Inhalt dickflüssiger gewesen, hätte man ihn auf ein Butterbrot schmieren können.

Die anderen kosten ebenfalls und ich bekam „Pago“, „Johannisbeersaft“ und ähnliches zu hören. Man war sich einig, dass hier etwas nicht stimmte. Ein kurzer Blick in Google verriet, dass es sich bei der Flasche tatsächlich um einen Obstwein aus Schwarzer Johannisbeere handelte. Obwohl dieser ausgezeichnet war (kein Vergleich zum Adabei der 80er), haben wir dennoch das Experiment nach dem ersten Glas abgebrochen und sind zu richtigem Wein gewechselt, nämlich einem Wein aus dem Hause Francis Coppola, dem weltberühmten Regisseur von „Der Pate“ oder „Apocalypse Now“. Sein Blue Label Merlot 2012 hat genial zum gebratenen Federvieh gepasst und hat bei mir – gottseidank – auch keine Reminiszenzen an längst vergangene bittere Teenagererfahrungen erwachen lassen.Adabei3

Eine Gans war auch der Hauptprotagonist am Abend davor, als ich in der Weinbar von Markus Schuller das Einser-Ganslmenü (Gänseleber als Vorspeise und gebratene Gans als Nachspeise, aber zumindest keine Gans als Nachspeise!) genossen habe.  Dazu haben wir uns auch durch das aktuelle Weinangebot gekostet. Herausgestochen sind dabei der Chardonnay 2015 Groß Adlersberg, bei dem wir uns hinsichtlich seiner Erstklassigkeit absolut einig waren, aber darüber diskutierten ob der jetzt „Schmelz“ hat oder „cremig“ ist. Bei den Roten sind ganz klar der Absalon 2013 und der perfekt gereifte Ostarrichi 2011 die Top-Stars.

Der Winzer hat sich dann auch auf ein nettes Plauscherl mit einer Flasche Ostarrichi 2000 zu uns gesellt. Den hat er aus seinem Weinklimaschrank geholt. (Gottseidank kein Experiment und kein Ribiselwein!) Extrem spannender Altwein. In der Nase schon ein ausgeprägter Alterston aber am Gaumen noch schön ausbalanciert.

Erwähnenswert ist auch noch, dass ich am Montag darauf innerhalb von vier Tagen meine dritte Gans verspeist habe und am Dienstag eine solche jedoch verweigerte. Ich liebe zwar die Gans, aber man muss auch wissen wann es genug ist (nicht so wie beim Ribiselwein mit 15…..).

 

 

 

 

 

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