Nachdem ich mich bereits seit längerer Zeit nicht mehr auf eine abenteuerliche Einkaufstour in einen Wiener Außenbezirk gemacht hatte, war es nun wirklich wiedermal an der Zeit. Quasi, Weinroulette – back to the roots!

Beim Stöbern durch die diversen willhaben.at Weinangebote bin ich vor ein paar Wochen bei einem Anbieter aus dem 12. Wiener Gemeindebezirk hängen geblieben. Eine Reihe an Weinsets wurde da zu wohlfeilen Preisen angeboten. Alles Weine aus Österreich und jeweils zwischen 15 und 20 Jahre alt. Jede Menge Schrott dabei, aber auch das eine oder andere interessante Flascherl.

Ich bin also mit dem anonymen Verkäufer schriftlich mit der Frage in Kontakt getreten, ob ich denn auch einige Flaschen aus den diversen Sets „rauskaufen“ könnte? Wir waren uns recht schnell einig, dass es Sinn machen würde, mal vorbeizukommen. Ich setze mich also ins Auto und  während ich mich auf den Weg nach Meidling mache, spüre ich wieder jenes Kribbeln im Bauch, das ich immer habe, wenn ich zu einem unbekannten Menschen unterwegs bin um diesem Wein abzukaufen (und das ja auch für diesen Weinblog mitverantwortlich war).

Ich parke direkt vor der Wohnhausanlage, rufe den Verkäufer an und es kommt mir wenige Sekunden später ein Mensch entgegen, der offensichtlich vom indischen Subkontinent kommt. Ich gestehe, dass mich diese Tatsache etwas irritiert hat. Gedanklich stelle ich mich auf ein „Namaste!“ ein, bekomme aber ein Meidlinger „Serwas“ (mit indischen Akzent) zu hören.

Während ich noch mit der Einordnung der Gesamtsituation beschäftigt war, hat mich der Inder aber schon in den Keller geführt, wo er in seinem Kellerabteil grob geschätzt 1000 bis 1500 Flaschen herumstehen bzw. -liegen hat. Das hat mir ehrlich gesagt den Rest gegeben.

[Anm. Gerade als gebürtiger Amstettner weiß man ja, dass der Begriff „Kellerfund“ ein nicht ausschließlich positiv besetzter ist. Offensichtlich ist es aber so, dass auch andere Menschen, von denen man es nicht erwarten würde, eine Art Doppelleben im Sou­ter­rain führen.]

Nachdem ich mich wieder erfangen hatte, habe ich mir insgesamt sechs Weine ausgesucht und dafür EUR 40,- bezahlt. Da waren ein paar sehr spannende Weine dabei, unter anderem ein Blaufränkisch Imperial von Tibor Szemes 1999 und ein Cabernet Sauvignon 1995 von Weingut Iby, die ich auch gleich in den Tagen danach verkostet habe.

Auf den Imperial war ich extrem gespannt, da ich mir davon doch noch einiges erwartet habe. War doch das Jahr 1999 sehr gut, und außerdem war es einer der letzten Jahrgänge, der noch vom legendären Tibor Szemes in die Flasche gebracht wurde. Der Wein war offensichtlich ordnungsgemäß gelagert worden, da Flasche und Korken in einem 1A Zustand waren. Der erste Schluck hat das unterstrichen. Der Wein war in einem ausgezeichneten und völlig intakten Zustand. Nur geschmeckt hat er mir leider nicht. Zwar sehr präsent in der Nase und am Gaumen, aber auch ziemlich kantig und rau. Austrocknend im Finish.

Meine Erwartungen an den Cabernet 1995 vom Weingut Iby waren eher zurückhaltender, da der Jahrgang nicht gerade herausragend war. Auch hier war die Flasche wieder top und der Wein noch absolut trinkbar. Viel weicher als der Imperial, weniger Säure und Tannin. Es fehlte jedoch die Power eines tollen Jahrgangs. Durchaus trinkbar, aber keine weitere Suche wert.

Einsatz: jeweils 6,30€

Gewinn: 1-1, Zwei alte burgenländische Rotweine, die mir – aus ganz unterschiedlichen Gründen – nicht so besonders geschmeckt haben. Dennoch ein interessante Erfahrung. Nachdem die Weine aber in einem tollen Zustand waren, freue ich mich schon auf die weiteren Inder-Weine. Ich werde berichten….

Werbeanzeigen