Untertitel: The eye of the boxer (not tiger)! Und mit „3“ ist auch nicht die Folge, sondern das Alter gemeint.

Man macht ja einiges mit, mit den lieben Kleinen. Nie spürt man sich mehr, als in jenen Momenten der unbedingten Liebe, der kindlichen Freude die man mit ihnen hat (wenn sie z.B. das erste Mal alleine mit dem Fahrrad fahren ) und natürlich der nie enden wollenden Sorge und auch manchmal der Wut, die schon mal in einem hochkommen kann. Hin und wieder erlebt man das auch alles innerhalb kürzerster Zeit bzw. fast gleichzeitig. Aber schön der Reihe nach.

Ich war vor einigen Wochen richtig im Stress, da ein für mich sehr wichtiges Meeting anstand und ich noch einen Menge Arbeit diesbezüglich hatte. Meine Frau war beruflich in Deutschland unterwegs und ich war bei meiner Kleinen daheim.

Kein Problem. Das macht mir ja richtig Spaß und in arbeitsamen Zeiten gibt es ja dann immerhin auch noch das iPad, mit dem man kleine Quälgeister schnell mal für eine halbe Stunde zufrieden stellen kann, wenn man noch rasch ein paar Emails rausschießen muss. Für danach war noch Spielen und Pizzaessen geplant.

Ich sitze also am Laptop und beobachte meine Tochter so aus dem Augenwinkel und muss sie auch mehrmals maßregeln, weil sie beim Serienschauen am Glastisch die ganze Zeit herumhampelt. (Echt unfassbar, dass so kleine Menschen keine Sekunde ruhig sitzen können!).

Es kommt wie es kommen musste und ich höre einen Aufschlag und das lautstarke Gebrüll meiner Tochter. In der ersten Reaktion geht mir in der Sekunde das G’impfte auf und ich stürme aufgebracht auf das weinende Kind zu. Dann plötzliche sehe ich die Platzwunde über dem linken Auge und Blut. Mein Ärger ist natürlich sofort weg und eine Welle der Sorge durchfließt meinen Körper. Im Badezimmer sehe ich mir das näher an und habe auch schon die Wiener Rettung am Ohr.

Wie ich so mit dem Herren von der Retttung telefoniere, übernimmt dann doch wieder die Ratio das Steuer meine Handelns und ich erkenne, dass ein Rettungseinsatz wohl ein ziemlicher Overkill wäre. Die Wunde ist nicht groß, aber sie klafft etwas und so steht halt doch ein Antritt im Spital an. Ich nehme also meine kleinlaute Tochter und wir fahren mit dem Auto in die Rudolfstiftung. Ich stelle mich schon auf einen langen Abend in der Kinderambulanz ein und kann es kaum fassen, dass niemand sonst dort ist. Wir kommen also sofort dran und der Arzt meint, dass es nichts wirklich Tragisches sei, aber man die Wunde doch kleben sollte, damit die Narbe so klein wie möglich bleibt. Ich bin natürlich absolut einverstanden und sehe ihn mit riesigen Augen an, als er erwidert, dass ich dazu in das AKH oder ins SMZ Ost fahren muss, da sie in der Rudolfstiftung soetwas nicht machen würden. Wir sprechen hier nicht von einer Gehirn-OP, sondern von der Versorgung einer kleinen Platzwunde (0,5-1cm lang!) am Kopf eines dreijährigen Mädchens!!

Ich nehme also das – mittlerweile wieder quietschvergnügte – Kind und wir fahren ins SMZ Ost. Was soll ich groß sagen. 2 Stunden Wartezeit für eine fünfminütige Behandlung (die im übrigen auch wirklich nicht „rocket-science“ war, sondern eine lächerliche Geschichte, wo man einem logisch denkenden Menschen nicht erklären kann, warum das nicht in jeder Kinderambulanz gemacht werden kann).

Als wir spätabends wieder zuhause ankommen, schläft der kleine Rocky, mit einem Pflaster über dem Auge, sofort ein und ich lande völlig fertig und aufgewühlt auf der Couch. Aus dem entspannten gemeinsamen Spiel- und Pizzaabend ist leider nichts geworden. Zur Beruhigung meiner Nerven greife ich in den Weinklimaschrank und hole einen Cabernet-Merlot 2012 vom Johanneshof Reinisch aus der Thermenregion raus.20170914_213649

Das ist sicher nicht das absolute rote Aushängeschild vom Weingut Reinisch, aber in dem Moment hat er einfach nur grandios geschmeckt. Warm, weich, heimelig. Nach dem zweiten – schön eingeschenkten – Glas war ich dann auch bald im Reich der Träume…

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