Wie der geneigte Weinroulette-Leser weiß, liegt der Ursprung meines kleinen Weinblogs im alljährlichen Drama rund um die Suche (bzw. das Finden!) des jeweiligen Weihnachtsweins. Der soll nämlich immer etwas Besonderes sein und muss sich ausschließlich innerhalb eines gewissen Rahmens (älter als 1995, etc.) befinden. Auch im heurigen Jahr hat die Suche längst begonnen (man könnte eigentlich auch sagen, dass die Suche niemals aufhört, bzw. am 25.12. aufs Neue beginnt) und meine Frau hat schon eine längere Liste mit möglichen Kandidaten „fyi„, wie man so schön auf Neu-Deutsch sagt, von mir bekommen.

Szenenwechsel. Uns ereilte letzte Woche eine recht spontane Abendessen-Einladung eines guten Freundes. Das obligatorische Gastgeschenk-Thema war auch diesmal eine ziemliche Diskussion bei uns, da ich immer vorschlage, schnell in eine Weinhandlung zu gehen um etwas Passendes als Geschenk zu erwerben. Meine Frau besteht dann immer vehementest darauf, dass wir wohl genug Wein daheim hätten und ich gefälligst eine Flasche von mir mitnehmen solle. Hat die eine Ahnung. Das sind alle meine liebgewordenen Babies und niemand betreibt gerne Kindesweglegung. In der hintersten Ecke habe ich aber dann doch eine Flasche gefunden, von der ich eigentlich gar nichts mehr wusste. Ein sehr spannend klingender Argentinier aus 2007. Schweren Herzens wurde er eingepackt.

Wir kommen also beim Gastgeber an und ich erspähe sofort aus dem Augenwinkel, dass da ein paar Weinflaschen herumstehen. „Ui, steht da nicht ein Gaja?!“ Ein kurzer Griff und ich halte einen Darmagi 1999 in der Hand und unser Freund meint lapidar, dass wir den heute trinken werden.

Für normale Menschen ist jetzt vielleicht nicht ganz einfach zu verstehen, was sich in diesen Sekunden in mir abgespielt hat. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie Sie als 7-jähriges Kind vorm leuchtenden Weihnachtsbaum gestanden sind. Genaus so ist es mir in diesem Moment ergangen.

Ich hab kurz gefragt, wo er denn die Flasche gekauft hat (ich bin ja immer auf der Suche nach guten Weingeschäften) und er meint nur, dass er sie geschenkt bekommen hat. „Nicht eh von Dir?“ höre ich ihn sagen. Mir fällt die Geschenk-Wein Diskussion von daheim ein und ich habe ganz kurz ein schlechtes Gewissen.

Ein Darmagi wäre eigentlich prädestiniert für unseren Weihnachtswein, aber der 99er ist halt noch zu jung dafür. Dennoch bin ich natürlich Feuer und Flamme.

Ich kann also mein Glück noch gar nicht richtig fassen, da wird mir zum Aperitif ein kleines Budweiser in die Hand gedrückt. Herrlich. Meine Frau hat es nicht so mit dem Bier und der Gastgeber holt plötzlich – mir nichts, dir nichts – eine Magnum Riesling Smaragd Ried Loibenberg 2015 vom Emmerich Knoll aus dem (riesigen) Kühlschrank und schenkt ihr auch einen Aperitif ein. Holla, die Waldfee! Was ist denn bitte hier los??

Ich habe mich des Biers in Rekordtempo entledigt und durfte ebenfalls den Knoll probieren. Pure Wollust. Weich, rund, üppig. Zum Reinschmusen. Und aufgrund der Magnum (die ich zusätzlich sehr sexy finde!) war auch reichlich für alle da.

Nach dem Essen kam dann der Darmagi auf den Tisch. Darmagi ist übrigens ein Ausdruck aus dem piemontesischen Dialekt und bedeutet „Wie schade!“. (Also genau das Gegenteil von dem, was mir in dem Moment durch den Kopf gegangen ist.) Der Legende nach soll aber genau das Angelo Gajas Vater gerufen haben, als der Rotzer einen Nebbiolo Weingarten in einen Cabernet Sauvignon Weingarten umwandelte. Eine richtige Entscheidung, eine wichtige Entscheidung! Somit konnte die Weinwelt nämlich erfahren, dass es grandiose Cabernets auch aus Italien geben kann.

So war es dann auch. Der Wein war einfach genial und meine Geschmacksnerven summte noch Stunden später „Süßer die Glocken nie klingen!„.

 

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