2009 war ein Bomben Weinjahr in Österreich – vor allem für die Rotweine. „Schuld“ daran war – nach einem bereits sehr guten Sommer – in erster Linie ein grandioser Altweibersommer, der von Anfang September bis Mitte Oktober mit herrlichem Wetter und sehr warmen Temperaturen den Saft in den Beeren auf natürliche Weise konzentrieren ließ. Weine mit viel Struktur, Charakter und Reife waren das Ergebnis. Unabhängig davon, ist mir der Sommer 09 auch deswegen in allerbester Erinnerung, da ich nach 11 Jahren den Job bei meiner alten Firma quittiert und bis zur neuen Aufgabe zwei Monate „daheim“ verbracht habe. Große Ferien, quasi. Meine Frau war ebenfalls gerade am Jobwechseln und so war das gemeinsam mit dem schönen Wetter natürlich ein Traum, aber auch eine andere Geschichte.

Szenen- und Jahrgangswechsel. Das erste Mal wurde ich Anfang des Jahrtausends auf das Weingut Maria Kerschbaum aufmerksam. Grund war der Falstaff Sieg des Blaufränkisch Reserve 2000. Dieser musste dann natürlich intensiv verkostet und bewundert werden. Damals ist mir natürlich auch sofort der Jungspund der Familie aufgefallen, dem man seine eigene Bühne gab und der so seinen Sturm und Drang in einer eigenen Cuvee namens „David’s Show“ kanalisierte. Blaufränkisch am oberen Limit. Ehrlich gesagt habe ich die Kerschbaums dann in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, bis mir kürzlich ein willhaben.at-Verkäufer zum Igler Blaufränkisch 1981 plötzlich um EUR 20,- einen „David’s Show Reserve 2009“ angeboten hat. Da MUSSTE ich einfach zuschlagen.

Obwohl David Kerschbaum mittlerweile längst Inhaber des Weinguts ist, hat er offensichtlich noch immer genügend Sturm und Drang in sich um den Blaufränkisch mit seiner „David’s Show“ noch immer an die Spitze des Möglichen zu treiben. Wenn – wie im Jahr 2009 – dann auch noch eine enorme natürliche Reife der Trauben dazu kommt und diese dann auch noch hochkonzentriert 36 Monate lang in Barriquefässern ausgebaut werden, dann bekommt man eine Blaufränkisch-Granate die ihres Gleichen sucht.

Beim ersten Schluck erkennt man schon das wahre Ausmaß. Da hat man einen unfassbaren Riesen im Glas. „Bumm, Zack, in die Goschn!“ Kraft, Struktur, Tannin und Länge ohne Ende. Dennoch fehlt etwas: Frucht. Und das soll ja beim Wein nicht ganz unwichtig sein. Wir haben eine halbe Flasche getrunken und den Rest weitere 24 Stunden im Dekanter gelassen. Am nächsten Tag dann ein neuerlicher Versuch. Viel besser, aber der Riese kann – sprichwörtlich – noch immer kaum gehen, vor lauter Kraft, oder besser gesagt: er ist wohl gerade schlafen gegangen und hat sich in seine Höhle zurückgezogen. Dennoch war ich richtig angetan, da hier sehr wohl das riesige (haha) Potential dieses bemerkenswerten Weins aufblitzte. Ein echter König, wer von dem Wein ein paar Flaschen im Keller schlafen lassen kann und auch die Geduld aufbringt sie erst in ein paar Jahren zu wecken.

Einsatz: EUR 20,-

Gewinn: 1-1; Bemerkenswerter Wein mit einem unglaublichen Versprechen an die Zukunft