…weil i so blau bin! Ich trink halt für mein Leben gern den Wein.„. Ich sitze gerade im Flieger nach Frankfurt und lächle dümmlich in den Vordersitz, der sich gefühlte 5cm (ich fliege Holzklasse) vor meiner – nicht roten! – Nase befindet. Im Flieger nach Frankfurt gibt es grundsätzlich nichts zu lachen, niemals! Der gestresste Businessman von Welt (und davon gibts ringsum wirklich viele) schaut einfach prinzipiell grantig, vor allem wenn er Österreicher ist. Man hat ja einen Ruf zu verlieren, net woa? Nur ich lächle. Der Grund für meine Erheiterung ist eine Austropop Playlist, die mir dieses österreichische Kleinod zu Gehör bringt.

Ich sinniere so also über die österreichischen Klischees und da dauert es wirklich nicht lange – vor allem wenn man so ein Lied im Ohr hat – und ich lande beim Heurigen. „Ich bin ja nicht so der Fan vom Heurigen“ geht mir als erstes durch den Kopf. Nach ein wenig überlegen komme ich dennoch drauf, dass ich in den letzten Wochen bei insgesamt vier Heurigen in vier verschiedenen Weinbaugebieten war. „Hmmmm, vielleicht erfüllte ich das österreichische Klischee mehr als ich denke und wahrscheinlich schau sonst ich im Flieger so drein, wie die ganzen G’sichter rundherum.“

Ich kehre gedanklich aber schnell zum Heurigen zurück, der ja zu uns gehört wie die Sacher Torte und die Lipizzaner. Dennoch hat sich selbst bei dieser jahrhundertealten Tradition  – vor allem Wein-technisch – sehr viel getan. Vorbei sind die Zeiten, in denen man vor allem beim Wiener Heurigen ausschließlich recht einfach strukturierte Trinkweine (mancherorts könnte man sogar von „Heckenklescher“ sprechen) bekommen hat. Auch bei der Auswahl ist man von weiß-rot-gespritzt auf eine recht ansehnliche Schübel-Auer.jpgAnzahl verschiedener Weine, die man auch in der Bouteille bekommt, umgestiegen. Dass diese qualitative Steigerung nicht zu Lasten der Gemütlichkeit gegangen ist, ist äußerst erfreulich, wie ich im August beim Schübel-Auer in Nussdorf feststellen konnte.

Ein paar Wochen davor waren wir in der Wachau und sind dabei überhaupt gleich auf die österreichische Nummer 1 im Falstaff Heurigen Ranking gestoßen. Pulker’s Heuriger in Rührsdorf (rechtes Donauufer), wo es neben einem Schweinsbraten zum Niederknien und den recht anständigen eigenen Weinen auch noch ein spektakuläres Angebot aus Bordeaux und Co gibt. Auf unsere Nachfrage („Äh, was würd’s denn vielleicht sonst noch so aus der Region geben?“) haben wir einen Johann Donabaum Riesling Smaragd 2011 Limitierte Edition (Flaschennummer 023) bekommen. Grandios. So etwas geht weit über das herkömmliche Heurigenklischee hinaus.

Aber auch die kürzlichen Besuche bei Heurigen in der Südsteiermark und im Weinviertel waren super nett, kulinarisch bemerkenswert und die Erinnerung daran ist in Momenten wie jetzt einfach Goldes wert.

Der Kapitän vermeldet den Beginn des Sinkflug auf Frankfurt und die Miene der Anzugträger ist nach wie vor versteinert. In meinem Kopfhörer läuft gerade „Sie is oben ohne, oben ohne….a so a haasa Summer, a so a haassa Summer“ und ich richte mir mit einem breiten Grinser die Krawatte zurecht.

 

 

 

 

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