Ich  war letzten Freitag am Nachmittag alleine zuhause und meine Frau war aufgrund eines Termins erst nach 19:00 daheim zu erwarten. Ich hatte also einige Stunden sturmfreie Bude und jeder Mann kann nachfühlen, wie es mir mit dieser Aussicht ergangen ist. In diesen raren Momenten (in denen man der Mann im Haus ist!!) macht Mann, was er machen muss bzw. was er nicht machen darf, wenn die Frau dabei ist. Das ist bei mir natürlich nicht anders.

Ich mache es mir also gegen 14:30 gerade auf der Couch bequem als mich ein Anruf meiner Gattin ereilt. Es ist alles anders und sie ist gleich auf dem Weg nachhause. Ich in etwa so: „Aha, ja, super!“.

Da muss man jetzt wissen, dass ich schon eine Weile davor mit einem willhaben.at Verkäufer in Kontakt gewesen bin, ich aber irgendwie nie den richtigen Moment gefunden habe, ihm die Ware abzunehmen. Des Weiteren ist hier anzumerken, dass ich aufgrund der Menge an Flaschen die bei uns herumstehen bzw. -liegen ein striktes Ankaufsverbot bekommen habe. Das Fass wäre voll, hat sie gesagt…

Der geneigte Leser wird jetzt wohl wissen, wie die Geschichte weitergeht. Nachdem meine Frau nun tatsächlich um 15:15 zu Hause angekommen ist, musste ich – wohl oder übel – mit der Wahrheit rausrücken. Die Wahrheit war, dass zwischen 18:00 und 19:00 der willhaben Verkäufer antanzen und ich ihm ein paar Flaschen abkaufen würde. Jeder Mann weiß auch ganz genau, wie es dann weitergegangen ist. Es folgte die obligatorische und philosophische Diskussion über den schmalen Grat zwischen „etwas nicht sagen“ und etwas heimlich „hinter dem Rücken“ tun. Wir sind durch die Wohnung gegangen (der Wein lagert in diversen Räumen) und haben eine Daumen x Pi Inventur gemacht. Es wurde ein erneutes und striktestes Ankaufsverbot ausgesprochen und ich habe versprochen, jetzt mal ein paar Flaschen zu öffnen, bevor neue Weine angeschafft werden.

[Ich möchte dem Leser an dieser Stelle nicht vorenthalten, dass mir eine meine Mitarbeiterinnen völlig entrüstet erzählt hat, dass sie beim Wäscheeinräumen im Kasten ihres Mannes eine Holzkiste mit Bordeaux-Weinen gefunden hat! Ist aber für mich nicht gefährlich, weil ich muss meine Wäsche eh immer selbst einräumen.]

Wie dem auch sei. Der Verkäufer hat mir einen 1981er Ried Hochberg Blaufränkisch vom Hans Igler und einen David’s Show Reserve 2009 vom Weingut Maria Kerschbaum mitgebracht.

Ich war extrem neugierig auf den Igler und wir haben die Flasche dann auch gleich am Montag geöffnet. Das ist – glaube ich zumindest – der älteste österreichische Rotwein, den ich bisher getrunken habe und ich war natürlich hoch gespannt. 1981 war – abgesehen davon, dass es generell ein recht gutes Weinjahr war – ein richtungsweisendes Jahr für den Rotwein in Österreich. Hans Igler hatte in diesem Jahr zum ersten Mal 30 Barrique Fässer, die er von Chateau Latour bezogen hat, verwendet und er wurde in diesem Jahr auch der erste Falstaff Sieger.

Die Flasche war in einem unglaublich guten Zustand. Füllstand und Korken waren perfekt. Im Glas war ich gleich mal über die Farbe überrascht. Rubinrot und kaum merkbares Alter. In der Nase merkte man das Alter dann natürlich schon, aber auch fruchtige Anklänge. Am Gaumen war zunächst die lebendige Säurestruktur erkennbar. Die ging mit der Zeit etwas zurück und fruchtigere Nuancen kamen durch. Ein schlanker alter Wein, der natürlich über seinem Zenit, aber noch immer absolut trinkbar ist.

Einsatz: EUR 5,-

Gewinn: 1-2, Hans Igler ist eine österreichische Weinlegende und es macht einfach Spaß, alte Weine aus seiner Hand trinken zu dürfen.