Am Freitagabend war es mal wieder so weit. Gute Freunde (die hier auch schon für den einen oder anderen Beitrag mitverantwortlich waren) waren wiedereinmal auf Wien-Besuch und wir haben sie natürlich getroffen. Für mich ist das immer ein Fest, da beide ziemlich hedonistisch veranlagt sind und gegen ein großartiges Steak und feinen Wein wirklich nichts einzuwenden haben. Ganz im Gegenteil.

Nachdem der Termin näher gerückt war, folgte wie immer eine obligatorische Recherche, welches Steakhaus es denn sein sollte bzw. wie es dort mit den diversen Weinkarten aussieht. Man möchte ja meinen, dass die Steakrestaurants keinen so großen Wert auf eine gut sortierte Weinkarte legen. Das ist aber (gottseidank) ein Irrglaube. Vor allem die Weinkarte des Frank’s hat es mir sehr angetan. Da gibt es unglaubliche Raritäten zu einem sensationellen Preis. Zum Beispiel fein gereifte Smaragde aus der Wachau, wie eine Knoll Grüner Veltliner Smaragd Vinotheksfüllung 2003 um unglaubliche EUR 59,-.

Ich hatte also schon Tage vor dem Restaurantbesuch ein für uns passendes Weinduo gefunden und freute mich uneingeschränkt auf den Abend.

Nachdem also alles generalstabsmäßig geplant war, habe ich im Lokal dann als Aperitif den vorab auserkorenen Gelben Muskateller 2014 vom Vorspannhof Mayr geordert. Ich war damit sehr zufrieden. Frisch, fruchtig und animierend. Ein schöner Startwein und quasi die perfekte Vorbereitung auf den vinophilen Höhepunkt, den ich für danach geplant hatte. In der Zwischenzeit haben wir die – im wahrsten Sinne des Wortes – riesige Speisekarte schnell durchgeschaut und uns diverseste Fleischspeisen bestellt: ein Cheeseburger,  ein 600g „dry aged“ Rib-Eye, ein 250g Filetsteak und für mich ein 700g „dry aged“ T-Bone Steak.

Wie ich mir das zweite Glas Muskateller eingeschenkt habe, ist mir aufgefallen, dass die anderen aufgrund des vielen Blablas bisher maximal an ihren Gläsern genippt hatten. Was ist denn da los?? Die hatten überhaupt nicht verstanden, worum es an diesem Abend eigentlich ging! Mein Zeitplan ist dadurch erheblich unter Druck gekommen, da ich für die Steaks ja schon den zweiten Wein geplant hatte. Ein flammender Aufruf war notwendig. Ungefähr so: „Ich werde gleich eine zweite Flasche Wein bestellen und wenn ihr mir nicht helft, werde ich das alles ganz allein trinken und ihr werdet mit dem Ergebnis wahrscheinlich keine besondere Freude haben!„. Meine Frau wusste sofort, dass das a) kein Bluff war und somit b) Feuer am Dach war. Sie haben sich also ran gehalten und bevor die Steaks serviert wurden konnte ich nun auch den Star des Abends bestellen: Einen Grünen Veltliner Smaragd M 2002 vom F.X. Pichler.

Der kundige Kellner hat ihn gleich dekantiert und so hatte der Wein ausreichend Gelegenheit zu atmen. Wenn man jetzt klugscheisserisch veranlagt wäre (wie die eine oder andere Person am Tisch), könnte man darüber diskutieren ob man einen so alten Weißwein überhaupt dekantieren sollte bzw. ob ein Weißwein überhaupt zu einem Steak passt. Ja, kann man machen. Das tun aber gewiss nur Leute, die noch nie eine solche Granate (egal zum Steak oder nicht) getrunken haben. Das „M“ im Namen steht für monumental und besser kann man den Wein nicht beschreiben. Obwohl viele Jahre alt, hat der Wein unglaublichen Druck am Gaumen, schier unendliche Tiefe und dabei eine ungemein präzise Statur. Ein Weltwein, bei dem ich interessanterweise niemanden dazu überreden musste mitzutrinken.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Essen. Ich war zum ersten Mal beim Frank’s und muss sagen, dass irgendwie die Zahnräder nicht 100% ineinander gegangen sind. Ich kann es auch gar nicht genau festmachen, woran es gelegen hat, aber atmosphärisch ist von Anfang an das „wie daheim“-Gefühl nicht aufgekommen. Die Steaks waren aber perfekt. Die Creme Brulee zum Abschluss ebenfalls. Am Essen hat es also nicht gelegen, dass ich nicht restlos begeistert war. Auch nicht am Wein (nein, wahrlich nicht). Ich glaube es liegt an mir. Ich bin offensichtlich eher der „Livingstone-Typ“, wo wir übrigens in dieser Konstellation im letzten Dezember waren. Von der Typ-Frage mal abgesehen macht man im Frank’s aber auf keinen Fall etwas falsch.

Fazit: Es war ein super Abend und es bleibt die Neugierde, wo es uns im kommenden Dezember (beim nächsten Besuch unserer Freunde) hin verschlagen wird. Tipps sind gerne willkommen. 🙂