„Morgen ist Badewetter!“ Wenn so etwas für einen Samstag im Juli vorausgesagt wird, dann freuen sich die Kleinen auf einen Tag am/im Pool, die Damen lackieren ihre Nägel und die Herren werfen einen Blick in den Weinklimaschrank, legen die Koteletts in feiner Marinade ein, und manche sollen sogar den Griller putzen (was der Autor dieser Zeilen übrigens noch nie in seinem Leben getan hat). Und dann gibt es auch noch Leute, die ihre (im Keller lagernden) Feuerwerkskörper entstauben. Aber dazu etwas später.

Wir haben unseren Urlaub mit einem Wochenende im Mostviertel ausklingen lassen und waren am besagten Badewetter-Samstag bei meiner Schwester und meinem Schwager zu einer nachträglichen bzw. verfrühten Geburtstagsfeier eingeladen.

Bei Kaffee und Kuchen war das Wetter einfach perfekt. Genau wie vorhergesagt. Meine Kleine konnte im Pool herumtoben und meine Große die frisch lackierten Nägel präsentieren. Der Hausherr ist auch gleich mal mit einer Flasche Stellenrust Merlot 2014 aufgefahren. Alles lief also wie am Schnürchen.

Als es dann ans Grillen ging, hat sich der Himmel aber verdunkelt, ganz so als hätte es den Wetterbericht gar nicht gegeben. Just als die Koteletts und Würstel aufgelegt wurden hat es wie aus Schaffeln zu schütten begonnen. Von der überdachten Terrasse aus hat das sehr lustig ausgesehen, da die Herren des Hauses mit allergrößter Hingabe und Einsatz im Wolkenbruch weiter gegrillt haben. Sämtliche Befürchtungen, dass das Essen verwässert schmecken würde, sollten sich letztendlich als völlig überflüssig herausstellen. Richtig böse war aber, dass es natürlich sofort aufgehört hat zu schütten, als die Grillerei aufgrund allgemeinen Sättigungsgefühls eingestellt wurde. Man fühlte sich an die Comics von früher erinnert, als die Regenwolke über dem Helden der Geschichte mitgezogen ist.

Der Hausherr – ein Techniker – hat sofort erkannt, dass es bei so schwierigen Witterungsbedingungen wichtig ist, durch eine Art Osmose ein Gleichgewicht der Flüssigkeitsstände außerhalb und innerhalb des Körpers herzustellen und hat so seine Stellenrust Vorräte (mit weiteren Flaschen Pinotage 2012 und 2014) in den Dienst der guten Sache gestellt. Wir waren auch alle sehr gelehrig und bald war es innen so feucht wie draußen.

Als es dann finster wurde, hat plötzlich jemand das Thema Feuerwerk aufgebracht. Wer es genau war, weiß niemand aber irgendwie wurde das Thema immer wieder angesprochen. (Was man hier wissen muss, ist, dass sich mein Schwager nicht nur bei Flüssigkeitsausgleich auskennt, nein, er ist auch der Haus- und Hof-Sprengmeister der Familie.) Meine Schwester, die Frau Sprengmeisterin, hatte – vorsichtig gesagt – leichte Bedenken angemeldet und ist mit der – völlig lachhaften – Argumentation, dass es dafür viel zu trocken sei, dahergekommen. Ich war leider nicht geistesgegenwärtig genug (was möglicherweise an der vorherigen Osmose lag) einzuwenden, dass kurz davor der halbe Lunzersee über dem Dorf niedergegangen ist und es wohl einen Feuerwerfer benötigen würde, um hier irgendetwas in Brand zu stecken. Der Herr Sprengmeister (der ja mit Frau Sprengmeisterin schon seit beinahe 25 Jahren Standesamt-gemäß durchs Leben geht), hat ihre Argumente mit einer Seelenruhe gehört und dann ohnehin gemacht was er wollte. Nämlich das Ding abgefackelt, was dann am Ende natürlich auch der Frau Sprengmeisterin gefallen hat. Raketen und ein sternenklarer (eh klar) Himmel. Ein würdiger Abschluss.

 

 

 

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