Schnecken sind wieder in aller Munde! Einerseits – wie immer in der warmen Jahreszeit – die nackte „Waaah, die Drecksviecha fressen unseren Salat“-Version, die aber hier und heute nicht Gegenstand dieses Beitrags sein soll. Andererseits haben die Schnecken mit Haus nach Jahrzehnten wieder Eingang in die Speisekarten der noblen Gastronomie in Österreich gefunden. Diese Entwicklung ging nicht rasend schnell, sondern dauerte sicher 10 bis 15 Jahre.  Schneckentempo also, aber immerhin.

Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts war Wien über Jahrzehnte hinweg die europäische Schneckenhochburg, wo es sogar einen eigenen Schneckenmarkt gegeben hat. Dann ging die Nachfrage aber massiv zurück und in den 1980er Jahren war längst Schluss mit den „schlüpfrigen, kleinen Scheisserchen“. Bis eben Züchter wie Andreas Gugumuck die Schneckenzucht in Österreich wieder kultiviert haben.

Immer Saison hatten die Schnecken hingegen in Frankreich. Jetzt war es nur würdig und Recht, dass ich mir während unseres Sommerurlaubs an der Côte d’Azur in einem netten Lokal in Cannes ein Dutzend Escargots als Vorspeise gegönnt habe. Die einzig logische Weinbegleitung dazu war ein fruchtig-knackiger Rose aus der Provence. Eine traumhafte Kombination.


Tags darauf kamen dann zwölf Meeresschnecken dran, die Platz auf einer üppigen „plateau de fruit du mer“ gefunden haben. Die sind selbst für einen so unerschrockenen Esser wie mich kein Honiglecken, da man mit dem Spezialwerkzeug ein zeigefingerdickes Etwas aus dem Haus rausholt. Pures Protein mit – wenn man den Ekel überwindet – leicht nussig-salzigem Geschmack. Dazu noch ein halber Hummer, ein paar Austern, Krebse und auch noch Minischnecken, für die man eine Art Nadel als Werkzeug zur Verfügung gestellt bekommt. Meine von diesen Tieren mehr als angewiderte Frau ruft an diesen Meeresgetier-Abenden immer ein mehrstündiges Küssverbot aus. Da kann der einfach grandiose Rose aus der Provence (eh klar), den man mit unendlichem Genuss zum Runterspülen von Schneck & Co verwendet, auch nichts helfen.

Fazit: Schnecken und Roséweine passen aus meiner Sicht perfekt zusammen. Das ist Essen und Trinken wie ein Gott in Frankreich. Wiener Schnecken und ein österreichischer Rose sind aber bestimmt um nichts weniger sexy. Schnecken checken ist angesagt!

.