In Wien schießen gerade die neuen und trendigen Weinbars nur so aus dem Boden. Im „Heunisch & Erben“ haben wir unlängst nicht einmal einen Platz bekommen und letzte Woche ging schon die neueste Eröffnung durch alle Fachmedien: Das „Just Taste“ am Stubenring. Nachdem wir am Montag Babysitterabend hatten wollten wir uns das neue Lokal natürlich gleich mal näher ansehen. Innen ist es optisch kühl und zurückhaltend, wie das halt gerade sehr modern ist. Ich habe noch die sehr nett und lustig gestaltete Karte durchstöbert, als meine Frau – so mir nichts, dir nichts – einen deutschen Riesling bestellt. Und das als absolute Rotweintrinkerin. Was war da bitte los?

Mit einem kurzen Blick in die Karte war dann auch schon des Rätsels Lösung gefunden. Es stand nämlich geschrieben. „Dr. Loosen. Riesling Bernkasteler Lay Kabinett #15/Mosel – Wenn Wein Sex haben kann, dann dieser!“ Aha, daher weht der Wind also.

Ich falle ja nicht auf solche billigen Schmähs herein, sondern habe mal ein Verkostungspaket von vier Weinen bestellt, wofür ich einen per Postwurfsendung versendeten gratis Gutschein verwendete. Meine Frau also auf dem „Sex sells Trip“ und ich am Schnorrilopfad. Ob dieser Abend gut ausgehen würde? Ging er, denn das Lokal ist super, die Leute extrem nett und hilfreich und das Angebot ist einfach grandios.

Aus dem Sex mit Dr. Loosen ist übrigens nichts geworden (haha!), da dieser gerade nicht verfügbar war (was auch immer das zu bedeuten hat) und so hat sich meine Frau eben mit einem anderen Mosel-Gewächs vom Weingut Steinmetz vergnügt. Ich habe nach dem Kennenlern-Viererpaket (Champagne Croix d‘ Irval, Looos Grüner Veltliner Smaragd 2011, Balthasar Ress Riesling Erste Lage 2015 und Chateau Cissac Cru Bourgeois 2014) gleich eine weitere Viererverkostung (in der Karte gibt es verschiedene themenbezogene Flights um rund 10€ für 4×0,03l) mit Pinot Noirs nachgeschoben. Ganz feine Ware: Reinisch Grillenhügel 2014, Steimetz Pinot Noir 2014, Domaine Cordaillat Reuilly Rouge Tradition 2016 und Main Divide PN 2012).

JustTaste1

Dazu haben wir auch super gespeist: Für mich ein „Wurstcase Szenario“, bestehend aus verschiedensten Mini-Bratwürstel und eine „Eastern Etagerie“ für meine Frau, sowie ein Blauschimmelkäse-Ensemble als kulinarischer Abschluss.

Mit den zwei Vierer-Flights war ich richtig warm gelaufen und so konnte ich mich dann mit dem eigentlichen Verkaufsschlager des Lokals auseinandersetzen. Im Just Taste kann man nämlich jeden (!!) der 600 vorrätigen Weine auch glasweise verkosten. Entweder als 0,1l Glas, oder als wirklicher Verkostungsschluck mit lediglich 0,03l. Ermöglicht wird das mit einem innovativen System, das den Inhalt der Flasche – auch, wenn schon ein paar Gläser ausgeschenkt wurden, langfristig konserviert. Die „Offene Weine“ Seiten in der Gastronomie werden wohl bald das Dinosaurierschicksal erleiden…

Der Test macht sicher. Wo kann man bitte einen Panta Rhei Pinot Noir 2011, einen Alphart Rotgipfler Top Selektion 2015 (eine unfassbare Granate!) und einen naturnahen Portugieser – „Der Herr Baumann 2015“ von Quantum Winery aus Wagram – ganz einfach so glasweise verkostet? Der Portugieser ist mir schon im Webshop davor aufgefallen. Ich hatte mir schon vorgenommen, davon eine Flasche zu kaufen, da ich den letzten Blauen Portugieser wohl vor der Jahrtausendwende wissentlich getrunken habe. Mit dem 0,1l Glas konnte ich das aber weniger aufwendig vor Ort machen und wusste auch gleich, dass das einfach nichts für mich ist. Ich und die naturnahen Weine, das wird leider nichts mehr…

Dafür war auch der Kaffee noch ein abschließendes Highlight. Alvorada Kaffee! Da werden Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen wach. Wo war der bitte in den letzten 20-25 Jahren?

Fazit: Coole Weinbar, mit feiner Qualität und großem Angebot und der Möglichkeit sich durch die Regale zu verkosten. Und beim nächsten Mal, holt meine Frau auch noch den Sex mit dem Dr. Loosens Riesling nach….

 

 

 

 

(c) Titelbild Graph Art Line

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