Meine Frau hat es mit mir ja nicht leicht. (Ich glaube, dass ich das hier schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, aber man kann es gar nicht oft genug sagen!) Grundsätzlich nicht, aber dann natürlich ganz speziell, wenn es um meine Zuneigung zum Rebenbsaft geht. Gottseidank praktisch nie hinsichtlich der von mir konsumierten Menge, aber sehr oft hinsichtlich der Anzahl der Flaschen daheim, der Fotos die ich von Weinflaschen mache, der Artikeln die ich hier auf Weinroulette veröffentliche, der Klickzahlen der geneigten Leser, aufgrund lähmender Gläserdiskussionen (Ich will Burgundergläser!!!) und nicht zu vergessen aufgrund der laaangen Minuten voller Stille, wenn wir in einem Restaurant sitzen und ich die Weinkarte studiere.

Der Wein & Co in der Jasomirgottstraße beim Stephansdom wurde vor einiger Zeit komplett umgebaut und es war längst an der Zeit, dass wir uns diesen Weintempel einmal genauer ansehen und dem Gott des Weins huldigen. Das Ambiente ist recht kühl, so wie es aktuell halt gerade sehr modern ist. Viel Beton, wenig Schnick-Schnack der herum steht, und auch der Tisch ist ziemlich „nackt“. Es fühlt sich aber alles ganz gut an und wir haben recht schnell auch etwas Feines zum Speisen gefunden. Dann die Frage: Wollen wir einen Wein aus der Karte bestellen oder doch vielleicht eine Flasche aus dem Shop holen? Da kann es nur eine Antwort geben: Selbstverständlich gehe ich in den Shop und suche etwas aus!

Der Shop ist im Kellergeschoss untergebracht und hat unglaubliche Ausmaße. Ich weiß gar nicht wie viele verschiedene Flaschen es hier zu kaufen (und zu einem kleinen Aufpreis im Restaurant zu trinken) gibt. Es fühlt sich an als wären es Tausende. Wie ich so durch die Regal lustwandle, ereilt mich just die wage Idee vielleicht mal einen roten Kalifornier zu probieren. Oder gar den Neuseeländer, der mich da so neckisch anlacht. Oder doch Rose, das süffige Luder aus der Provence? Nachdem man aber nichts übereilen sollte, muss man natürlich auch die anderen Weinregion einer genauen Überprüfung unterziehen. Ich hänge also meinen Gedanken nach und nehme duzende Flaschen in die Hand um die Etiketten, Rebsorten und Jahrgänge genauer zu studieren.

Da schießt mir plötzlich ein, dass ich ja nicht alleine hier bin und es da einen Stock oberhalb jemanden gibt, der (hoffentlich noch) auf mich wartet. Hektisch nun meine Blicke zwischen den Regalen. Was nun? Was tun? Purer Stress! Aber der Routinier unter den Ehemännern behält in so einem Moment die Nerven und greift mit einem selbstsicheren Lächeln zu einem Rioja Gran Reserva 2008.  Der Gentleman von Welt weiß was Frau trinkt! Mit so einem Rioja kann ich niemals etwas falsch machen. Es ist auch ein immer wieder einmal eingestreutes Dankeschön für die vielen geschmacklichen Abenteuer, die meine Frau mit mir erleben muss, und die ihr – so ehrlich muss man sein – auch nicht immer wirklich gut schmecken.

Ein kleiner Hinweis noch am Ende, nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht. Diamonds sind für meine Frau dann aber doch noch bessere Freunde als Riojas, aber die gibts beim Wein & Co (gottseidank) nicht zu kaufen.