Es gibt ja kaum etwas, was Menschen beim Reisen mehr bewegt als Essen und Trinken. Da kommt das Sprichwort „Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ so richtig zum Tragen und es gibt wohl auch niemanden, der nicht ein paar lustige Ess-Geschichten auf Lager hat. Nachdem ich ja auch regelmäßig unterwegs bin, sind mir im kulinarischen Bereich auch schon einige wilde Dinge untergekommen. Heute möchte ich diesbezüglich über ein ganz exotisches Land berichten: Deutschland!

Wie bei der Sprache sind es ja in Wahrheit die Ähnlichkeiten, die die Unterschiede erst so richtig zur Geltung bringen. Wenn man jetzt in Shanghai einen Hot-Pot mit Hühnerhax’n, in Vietnam irgendwelche Frösche oder in Indien ein brennend scharfes Lamb Vindaloo zu sich nimmt, dann ist das von unserer Esskultur so weit weg, dass man erst gar nicht auf die Idee kommt es mit einheimischem Essen zu vergleichen.

Das Wiener Auge bzw. auch der Wiener Gaumen ist jedoch aufs Ärgste herausgefordert, wenn bei unseren Lieblingsnachbarn plötzlich ein paniertes Schnitzel in Käserahmsauce oder die gefürchtete Mayonaise zu Allem serviert wird. Auch der berühmt-berüchtigte Handkäse mit Musik kann einen schon mal erschrecken. (Wer es nicht kennt, die „Musik“ kommt vom Zwiebel, und zwar erst nach dem Essen!). In Sachen Kaffeekultur gibt es ebenfalls erhebliche Unterschiede, da in Deutschland die durchschnittliche Wassermenge pro Kaffee-Einheit wohl ca. dreimal so hoch ist wie in Wien. Mit der unglaublichen Wurstzentriertheit der Berliner kommen wir da weit besser zu Recht.

Aber wie verhält es sich beim Wein? Der Film Indien ist ja ein unendlicher Schatz an Lebensweisheiten für alles Erdenkliche, und selbstverständlich gibt es da auch eine Einschätzung über Wein und Bier aus Österreich und Deutschland.

„Des deitsche Pils is ja an sich bitterer. Dafür is der Wein durt siaßa! A jeder wie a glaubt.“

Ein reines Vorurteil? Ein kürzlich von mir verkosteter Grüner Veltliner vom Weingut Klein aus der Pfalz war bemerkenswert, weil mit ziemlicher Restsüße versehen. So etwas gibt es in Österreich kaum bzw. ist es mir eher selten untergekommen. Was die deutschen Rieslinge betrifft, muss ich ehrlich sagen, dass mir die mindestens so gut schmecken, wie die österreichischen, bei denen ich mit der oftmals ausladenden Machart, oder gar mit der überbordender Botrytis, einfach komplett überfordert bin. Da liebe ich die glasklare – und oftmals knochentrockene – Stilistik z.B. von Robert Weil oder auch einen kürzlich (in Wien) getrunkenen Van Volxem Saar Riesling. Große Klasse.

Etwas ganz Schräges habe ich kürzlich zuhause getrunken. Ein Geschenk eines deutschen Freundes, der mir bei einem Besuch eine Bocksbeutelflasche (Der Name kommt – wie mir von einem treuen Leser gesagt wurde – von der Ähnlichkeit mit dem Hodensack eines Ziegenbocks) mit dem Titel Domina 2014 trocken (Haha!) geschenkt hat. Ich dachte noch, dass das mal ein wirklich spannender Name für einen Wein ist, aber bei Domina handelt es sich tatsächlich um eine Rebsorte (Kreuzung aus Blauer Portugieser und Spätburgunder), die vor allem in Franken angebaut wird. Wie kommt man bitte denn auf so einen Namen? Ich habe die Domina natürlich gleich probiert und vielleicht spielte mir ja meine Phantasie einen Streich, aber mir war der Wein etwas zu grob. Auf eine Säure-Peitsche stehe ich nämlich gar nicht….

Fazit: In Wahrheit liebe ich die kleinen Unterschiede zwischen uns und unserem Nachbarland. Auch, wenn mir wirklich nicht alles schmeckt, was da so ähnlich wie „daheim“ aufgetischt wird, ist es immer wieder spannend zu erleben, wie Essen und Trinken anders interpretiert werden kann.

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