Als ich diese Woche im Flugzeug so vor mich hingegrübelt habe und die Flugbegleiter („Stewardessen“ ist ja mittlerweile schon fast wie wenn man einen „Mohr im Hemd“ bestellt) beim Austeilen beobachtete, ist mir mal wieder aufgefallen, dass jeder Zweite im Flieger Tomatensaft bestellt. Ich möchte vorwegnehmen, dass Tomatensaft ein komplettes No-Go ist. Und zwar egal ob am Boden, über Wasser oder auf der Erde. So etwas trinkt man höchstens mit ordentlich Wodka in einer Bloody Mary.

Offensichtlich sehen das aber viele Menschen anders, da – wie schon gesagt – im Flugzeug wie immer unendlich viel Tomatensaft verteilt wurde. Zwei oder drei ganz Verwegene haben den Saft sogar in Kombination mit Rotwein bestellt (also in zwei Bechern, nicht gemischt).  Weil mir gar so fad war, habe ich auch diese Kombination bestellt. Was soll ich sagen. Mein Vorurteil was den üblen Gemüsesaft betrifft, wurde wieder einmal bestätigt. Der Rotwein, ein Estoras 2013 vom Weingut Esterhazy hat mir hingegen extrem gut geschmeckt. Ich war total überrascht, da ich üblicherweise keinen Wein im Flieger trinke (außer auf Langstrecke, da dafür dann auch gleich richtig viel) und nicht mit so einem guten Wein gerechnet habe. Der Estoras ist eine Cuvee aus Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon. Sehr fein!

Aber zurück zum Tomatensaft. Wieder am Boden habe ich gleich einmal recherchiert, ob es irgendwelche Studien gibt, die das verrückte Bestellverhalten der Menschen in Flugzeugen in Bezug auf Tomatensaft behandeln. Und siehe da, es gibt drei gängige Theorien:

Die erste Theorie besagt, dass der im Flieger übliche Luftdruck den Geschmack des Tomatensafts verändert. Anhand von Tests im Jahre 2010 wurde Menschen einerseits unter Niederdruck-Verhältnissen und andererseits unter normalen äußeren Umständen Tomatensaft serviert. Im Niederdruck wurde dieser harmonischer und süßer beschrieben. Ich kann das jetzt ehrlich gesagt nicht bestätigen.

Forscher aus den USA behaupten hingegen, dass nicht der Druck verantwortlich sei, sondern der Lärm, der anscheinend mehr Lust auf etwas Herzhaftes erweckt. Was das mit Tomaten zu tun hat, entzieht sich völlig meiner Kenntnis, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich – den Kopfhörern mit Rauschunterdrückung sei Dank – den Lärm im Flieger nicht so schlimm wahrnehme. Ich würde aber sagen, dass es so laut gar nicht sein kann, dass mir Tomatensaft schmeckt.

Für die dritte Theorie habe ich – ohne es zu wissen – selbst den Beweis erbracht. Das ist nämlich die Nachahmer-Theorie. Irgendwer hat irgendwann einmal einen Tomatensaft bestellt und seither ist das Gesöff nicht mehr wegzubringen. Ich habe ja auch nichts anderes gemacht, als ein paar andere vor mir. Fix ist jedoch (und das spricht wieder gegen dieses Theorie), dass ich bestimmt so schnell keinen Tomatensaft mehr bestelle. Den Estoras 2013 aber sehr wohl.

 

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