Was fällt Männern ein, wenn sie einige Tage von ihren Frauen (wie es letztes Wochenende mir ergangen ist) getrennt sind. Richtig, nix Gescheites! Bevor der geneigte Leser jetzt aber seine schmutzige Phantasie anwirft, kann ich gleich vorweg schicken, dass nur eine Frau (nämlich die Chefin!) nicht da war. Die Oberchefin (wird im Mai drei Jahre alt) war eh bei mir zuhause und hat mich ordentlich in Beschlag genommen. Aber auch die Oberchefin muss irgendwann ins Bett und dann ist die Bude sturmfrei und ich bin der alleinige Herr über die Fernbedienung und die Wohnung. Anarchy in Wien Landstraße!!!

Das beinharte Junggesellenleben hat dann wildeste Blüten getrieben und wie folgt ausgesehen: Pizzabestellung am Donnerstag, Vietnamese am Freitag und selbstgekochte Pasta am Samstag. Dazu Europa League Konferenzschaltung, Independence Day Extended Version und zum dreißigsten Mal auch Terminator 2. Also, Lichtjahre entfernt von jeglichem Spießertum. Naja, sagen wir zumindest 10 Meter davon entfernt, oder so.

Zu den medialen und kulinarischen Ausschweifungen musste natürlich auch eine passende Weinbegleitung her. So hab ich dann am Donnerstag Abend in diversen Weinkisten, Schachteln, im Kühlschrank und Weinklimaschrank nach etwas Würdigem herumgekramt. Geworden ist es ein hochkarätiges Sauvignon Blanc Kräftemessen zweier Vertreter aus Österreich bzw. Neuseeland, die ich über einige Etappen an den Frau-losen Abenden gegeneinander und miteinander verkostet habe.

Cloudy Bay gehört sicher zu den bekanntesten Weingütern in Neuseeland, das über die letzten drei Jahrzehnte einen gewissen Kultstatus erreicht hat. Der Sauvignon Blanc wird regelmäßig auch unter die wichtigsten Weißweinen weltweit gewählt. Durch die unmittelbare Nähe zum Meer (die „nebelige Bucht“ liegt an der Cook-Straße zwischen Nord- und Süd-Insel) entstehen dort ganz besondere Weine. Ich war sehr gespannt, was da mit dem 2015er auf mich zukommen wird.

Von den steilen Hängen in Kitzeck ist wirklich weit und breit kein blaues Meer zu erkennen, aber – aufgrund der malerischen Hügel voller Weingärten und kleiner Wälder ringsum – sehr wohl aber zumindest ein grünes. Im Weingut Wohlmuth wird aufgrund der steilen Lagen ausschließlich per Hand gearbeitet. So entstehen dort charakterstarke Weine voller Authentizität, unter anderem der 2015er Kitzeck, den ich ebenfalls am Donnerstag geöffnet habe.

Man kann es eigentlich recht kurz machen. Über drei Abende ganz großes Sauvignon Blanc Kino. Es handelt sich um zweimal dieselbe Rebsorte, auch gibt es in beiden Ländern Alpen, aber ansonsten sind die Weine doch sehr unterschiedlich. Der Cloudy Bay ist in der Nase und am Gaumen ein typischer SB, kommt aber erheblich schmelziger und fetter daher als sein steirischer Kollege. Dieser überzeugt hingegen  mit Finesse und Mineralität.

Fazit: Es ist schwer hier einen Favoriten zu nennen. Das bessere Preis-/Leistungsverhältnis spricht eher für den Steirer, aber im Zweifelsfall unbedingt beide trinken.

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