Obwohl ich ja ursprünglich aus einer ländlichen Gegend komme, war mir bisher der Begriff „Hornmist“ völlig unbekannt. Das mag daran liegen, dass ich die malerischen Hügel des Mostviertels (wo man am Wochenende – dem Nachbarn sei Dank – immer diesen netten Gülleduft in der Nase hatte) vor 20 Jahren verlassen habe und man in meiner Kindheit noch wenig zimperlich mit den Errungenschaften der chemischen Industrie umgegangen ist. (Damals hat man noch die Gülle auf von Kunstdünger weiß gefärbte Wiesen ausgeführt). Bio war damals gar nix, geschmeckt hat es ehrlich gesagt trotzdem.

In den 10er Jahren des 21. Jahrhunderts ist plötzlich alles bio und die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte im Weinbau scheinen plötzlich gar nichts mehr zu gelten. Die echten Auswüchse dieser Entwicklung – Orange Weine – stehen mir überhaupt nicht zu Gesicht: Mit großer Verwunderung habe ich heute plötzlich trübe Flüssigkeiten im Glas, die für meine Nase und meinen Gaumen unreif und fehlerhaft wirken, wohingegen sich die Fachpresse mit Jubelmeldungen und Rekord-Punktevergaben überschlägt. Man muss nicht alles verstehen und schon gar nicht muss man alles mögen.

Judith Beck hat den elterlichen Betrieb in Gols im Jahr 2007 übernommen und sofort auf biodynamisch umgestellt. Die Technik im Keller war ohnehin schon vom Feinsten und jetzt wollte man vor allem im Weingarten neue Wege gehen und der Philosophie der Winzerin Rechnung tragen. Ihre Leidenschaft gilt den autochthonen Sorten Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt, und ihre Weine sind ganz bestimmt nicht für jedermann gemacht, sondern polarisieren. Als Beispiel möchte ich den Bambule Pet Nat anführen, den ich im Vorjahr verkostet habe. Spektakulär, aber nicht unbedingt meins.

An einem netten Winterabend im Jänner habe ich dann einen Blaufränkisch Altenberg aus dem Jahr 2007 geöffnet. Ein ganz außergewöhnlicher Blaufränkisch. Dunkel, komplex, zu Beginn noch etwas „unruhig“, der aber mehr und mehr in sich zu ruhen begann und seine vielschichtigen Facetten preisgab. Das ist sicher kein vordergründiger Schreier, sondern eher zart und vielschichtig. Ein toller Vertreter seiner Art, den man auch locker noch im Keller liegen lassen kann.

Aber was hat das alles mit Hornmist zu tun? Judith Beck schwört darauf ein Kuhhorn im Herbst mit Kuhmist zu füllen, es über den Winter in der Erde zu vergraben und zu Ostern wieder auszugraben. Der Mist wird dann mit Wasser verlängert und das Gemisch anschliessend im Weingarten verteilt. Ob das für die tollen Weine verantwortlich ist? Ich weiß es nicht, es ist mir aber auch egal, da ihre Weine alles andere als Mist sind.

Einsatz: 13 EUR (über willhaben.at)
Gewinn: 1-2 Der Einsatz wurde mit doppelten Gewinn und Genuss belohnt.

 

 

 

 

 

 

.