Wein und Essen bilden eine uralte Gemeinschaft. Allein, wenn man sich meine Artikel hier auf Weinroulette durchliest, merkt man sofort, dass in mehr als 95% der Beiträge das Essen zumindest eine wichtige Nebenrolle spielt. Das liegt auch schon daran, dass ich einfach unendlich gerne esse (bzw. „verfressen“ bin, wenn man bösen Zungen in meinem Umfeld Glauben schenken darf). Eine Eigenschaft übrigens, die meine Tochter ganz offensichtlich von mir geerbt hat, da sie ebenfalls den ganzen Tag essen könnte, und dies – ehrlich gesagt – auch tut. Trotzdem ist sie aber gertenschlank, was sie selbstverständlich von ihrer Mutter hat.

Aber ich schweife ab. Meine Liebe zum Essen führt auch dazu, dass ich leidenschaftlich gerne koche. Diese Leidenschaft lebt aber sehr stark davon, dass ich es so selten mache. Wenn ich jeden Tag Zwiebel schneiden und/oder Kartoffel schälen müsste, wäre die Liebe schnell dahin. Aber so macht es mir richtig Spaß, ein paar Mal im Jahr die Kochlöffel zu schwingen. Dabei muss dann natürlich auch der Wein passen.

Letzte Woche hatten wir einen alten Freund bei uns zu Gast und ich habe mir die Schürze umgebunden und gekocht. Und zwar: eine getrüffelte Maronischaumsuppe (abgeschmeckt mit etwas Zitrone), marinierte Lammkoteletts mit Zitronenkartoffeln und ein Maracuja-Panna-Cotta zum Abschluss. Das Menü ist geschmacklich so vielfältig, dass es dazu  – weintechnisch – viele Möglichkeiten gibt. Das Lamm und die Maronisuppe vertragen zum einen schon einen kräftigen Roten (z.B. einen 2007er Syrah vom Artner oder einen 2008er Pinot Noir Siglos vom Weingut Gesellmann). Auf der anderen Seite ist aber auch die Zitrone im Spiel, die sowohl die Suppe als auch das marinierte (Olivenöl/Rosmarin/Knoblauch Marinade mit etwas Zitronensaft) Lamm mit den Zitronenkartoffeln recht leichtfüßig macht. Damit könnte wiederum auch ein charakterstarker Weißwein (z.B. ein 2010er Riesling Privat Pellingen vom Weingut Nigl oder etwa auch ein 2015er Grüner Veltliner Leopold vom Weingut Buchegger) sehr gut harmonieren.

Ich habe dem Gast die potentiellen „Kandidaten“ genannt, die jeweiligen Vorzüge erklärt und ihm die – ‚tschuldigung – sauschwere Entscheidung überlassen. Unser Gast zeigte Nerven aus Stahl und hat den Nigl gewählt. Oh Mann, was für eine weise Entscheidung.

Der Wein ist einfach ein Traum (und hat nicht zu Unrecht vom Falstaff 96 Punkte bekommen)! Für sein Alter war der Riesling im Glas überraschend hell. Vom Geruch und Geschmack her dann eine einzige Nasen- und Gaumenweide. Rieslinghimmel. Unendlich. Zum Niederknien. Ganz ehrlich: in der Form spielt dieser Wein – weltweit – bei jeder Rieslingprobe ganz vorne mit.

Und was mache ich? Ich verhau das Lamm und bringe es quasi noch „blökend“ auf den Tisch. Wir hatten uns nämlich eine neue Bratpfanne gekauft (ein Markenprodukt, das die 10 Jahre alte Tschibo Pfanne abgelöst hat) und ich hab aus Mangel an Erfahrung damit die Pfanne zu wenig heiß gemacht und somit den Garpunkt völlig versaut. Aber besser zuwenig durch als zu viel, und so habe ich die Lämmer nochmals auf die Kochplatte getrieben und meinen Job dann erledigt.

Beim nächsten Mal wird das sicher besser. Dass auch der Wein beim nächsten Mal besser sein wird, ist allerdings wirklich keine leichte Aufgabe.

Einsatz: EUR 13,- (über willhaben.at)
Gewinn: 1-3, Großartiger Riesling der perfekt zum Menü gepasst hat, den man aber wahrscheinlich überhaupt zu allem trinken kann, oder einfach ganz ohne Essen.

 

 

 

 

 

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