Früher war Weihnachten halt noch richtig Weihnachten. Man freute sich auf ein ferngesteuertes Auto, eine Eisenbahn oder einen Matador Baukasten, und draußen lagen 20 bis 180 cm Schnee, mindestens! Das Warten auf das Christkind hat einen über Wochen in den Bann gezogen und die Vorweihnachtszeit war voller magischer Momente. (wie z.B. dreschender Krampusse). Und wie war es heuer? Naja, heuer habe ich im wahrsten Sinne des Wortes das Christkind gelyncht.

Man sagt ja, dass Weihnachten die Zeit ist, in der Erwachsene (und hier insbesondere Männer) wieder zu Kindern werden. Ich bin dafür das beste Beispiel, da ich mich heuer wie ein kleines Kind auf unseren Weihnachtswein gefreut habe. Über Wochen, da ich den „Auserwählten“ – so wie es sich gehört – Ende November erstanden habe.

Der Weihnachtswein war heuer ein Lynch Bages 1990. Nicht nur Robert Parker hat den Wein mit bemerkenswerten 99 Punkten bewertet, nein auch der – in Weingeschmacks-Fragen absolut verlässliche – Wineterminator hat ihn zuletzt regelmäßig mit 99 Punkten im Glas gehabt.

Nur weil man sich einen großen Wunsch selbst erfüllt hat, braucht man nicht glauben, dass es dann nicht dennoch einen Wunschzettel ans Christkind gibt. Auf meinem stand heuer: Bitte, lass ihn nicht korken. Bitte, lass mich nicht einem Gauner aufgesessen sein. [Anm. Der Wein wurde über willhaben.at um EUR 210,- von einem Herren aus Wien 10 erworben und die Übergabe fand in der Karlsplatz U-Bahnpassage statt]. Bitte, gib mir einen Hinweis, wie ich mit dem Wein umgehen soll (Wie lange dekantieren?). 

Ich war heuer wieder einmal sehr brav und somit war das Christkind recht gut zu mir. Der Wein hat nicht gekorkt und war auf jeden Fall echt. Nur beim Umgang mit dem Wein bin ich etwas daneben gelegen. Ich habe die Flasche um 15:30 geöffnet und nach einem nicht sehr winterlichen Spaziergang (7 Grad und etwas Regen) durch Wien kam er dann in den Dekanter. Eine Stunde später – nach der Bescherung – dann der erste Schluck. Ok, der strotzt vor Kraft und erinnert noch eher an den Ochs in der Krippe als an den Engel, der die frohe Botschaft übermittelt.

Gottseidank war unser Menü durchaus üppig und hat sich (gemeinsam mit dem Schlafenlegen des komplett überdrehten Kindes) über einige Stunden gezogen. Der Ochse nahm – Schluck für Schluck – immer mehr die Gestalt eines Engels an und die Bescherten waren äußerst zufrieden mit dem Wein und dem Abend. Im Gegensatz zur Laurence 1989 vom letzten Jahr ist der Wein auf jeden Fall maskuliner, kräftiger und noch immer mit einer strahlenden Zukunft ausgestattet.

Einsatz: EUR 210,-

Gewinn: 1-1, Ein absolut würdiger Weihnachtswein, den ich bestimmt nochmals trinken werde.