Es ist ja kaum zu glauben, aber nur noch dreimal Schlafen bis Weihnachten. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Zum einen liegt es daran, dass im geschäftlichen Umfeld so getan wird, als ob es den Jänner und 2017 generell nicht gäbe und unbedingt alles noch vor dem Christkind erledigt werden muss. Zum anderen liegt es an unzähligen privaten Termine, Weihnachtsfeiern, -essen und Besuchen von Weihnachtsmärkten.

Diese privaten bzw. beruflichen Verpflichtungen bringen den Weihnachtsspeck schon vor den Feiertagen, aber auch viele (teilweise neue und) spannende Weine, die ich in den letzten Wochen verkosten durfte. Eine kleine Auswahl:

In Frankfurt wurde ich kürzlich mit einem einheimischen Riesling Kabinett 2015 vom Weingut Robert Weil verwöhnt. Der war blitzsauber und hat mich wieder einmal davon überzeugt, dass die deutschen Rieslinge (immerhin handelt es sich bei dem Kabinett eher um einen Einstiegswein) unglaubliches Potential besitzen. Was jetzt aber auch nicht groß verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Robert Weil auf seinen 90 Hektar ausschließlich (!) Riesling angepflanzt hat. Wenn man das dann nicht drauf hat mit dem Riesling, wäre das schon ziemlich blöd.

orca_smallIn Rot hat es bei dieser Gelegenheit einen Wein vom Mont Ventoux (ja, dem berühmten Berg der Tour de France) gegeben. Warum dieser Wein „Orca“ heisst, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich bin ziemlich sicher, dass es dort keine Killerwale gibt. Der Wein hatte nicht nur ein cooles Etikett, sondern war auch ein schöner Trinkwein zum Essen.

In Wien hat es es bei diversen Anlässen verschiedene – mittlerweile nicht mehr wegzudenkende – lokale „Gemischte Sätze“ gegeben. Einmal den Gemischten Satz Weissleiten 2015 von Hajszan Neumann und bei der nächsten Gelegenheit den Satellit 2015 von Jutta Ambrositsch, der mir noch besser als der Weissleiten geschmeckt hat. Denn der Satellit ist von Art und Geschmack einfach etwas anders als die meisten seiner Gattung. Irgendwie internationaler, was jetzt bei einem terroirbezogenen Wein aus Stammersdorf zugegebenermaßen etwas komisch klingt. Aber probieren Sie es aus!

Aber auch die Rotweine waren bei den Wiener Anlässen durchaus spannend. Zum Essen hat es noch einen recht unspektakulären aber sehr gefälligen und „trinkigen“ (Anm.: jeder Weinblogger und -journalist, muss nun dieses neue Wort „trinkig“ verwenden, sonst verliert er die Zulassung!) Zweigelt Goldberg vom Werner Achs. Richtig zu Sache ging es dann mit einem weiteren Zweigelt „Minimal“ 2010 vom Sepp Moser. Ich hätte diesen Wein für die nette Runde nicht bestellt, aber ich war nicht der Zahler, der ja bekanntlich anschafft. Der Minimal ist – wie der Name schon sagt – in der Weinwerdung sehr stark sich selbst überlassen und sehr „naturnahe“ ausgebaut.

Auf der Website findet man zu den Minimal-Weinen folgenden Disclaimer. „VORSICHT! Diese Weine entsprechen kaum den Vorstellungen von Sortencharakter des unbedarften Weinkonsumenten von heute, sondern sind eher für jene gedacht, die gerne ihre Scheuklappen ablegen, um abseits des Mainstream neue Geschmackserlebnisse zu entdecken.“

So war es dann auch. Die Kommentare meiner Kolleginnen lauteten: „Der riecht komisch.“, „Ich weiß nicht, stimmt mit dem was nicht?“ usw.

Ich habe den Minimal schon sehr interessant gefunden. Sehr erdig, stoffig und für einen wieninger-pinot-noir-grand-select-20122010er noch unglaublich frisch und völlig frei von jeglichem Alter. Egal, der Plebs forderte Wiedergutmachung und zum Abschluss gab es einen Wieninger Pinot Noir Grand Select 2011. Der ist knapp vor Weihnachten, wenn es in Wien sogar mal leicht angezuckert ist, genau die richtige Wahl. Sehr stimmig, gar nicht so wuchtig wie man meinen würde und insgesamt sehr elegant. Ein schöner Abschluss des Advents.

Jetzt bleibt nur noch die Vorfreude auf das Christkind und unseren heurigen Weihnachtswein. Ich bin ehrlich gesagt schon richtig aufgeregt und kann es gar nicht mehr erwarten. Wird sich der Lynch Bages 1990 in die mittlerweile gar nicht mehr so kleine Tradition der spektakulären Weihnachtsweine einreihen? Ich bin sehr zuversichtlich, da ich auch sehr brav war, heuer!

Dem geneigten Leser wünsche ich bis dahin eine ruhige, friedliche und entspannte Zeit.

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