Am Wochenende waren wir zum runden Geburtstag einer Tante im „Hotel zur Post“ eingeladen. „Da war ich auch schon mal!“ wird der geneigte Leser jetzt wohl denken. Die Frage ist natürlich: in welchem Hotel zur Post? Wenn man die drei Wörter in Google eingibt, dann werden „ungefähr 475 000 000 Treffer“ angezeigt. Aus Marketing-Sicht ist der Name also nicht wirklich ideal.

Ich selbst komme ja aus dem „Hotel Kothmühle“. Da gibt es genau das eine und sonst keines. Dieser Name ist dann zusätzlich zur Einzigartigkeit auch mehr als einprägsam, und jeder der einmal dort war, wird diesen dann auch nicht mehr vergessen. (Eine kluge Entscheidung meiner Eltern, diesen – sicherlich etwas seltsamen Namen – nicht zu ändern. Dass mir dieser in der Schule den Spitznamen „Shitmiller“ oder – weniger schmeichelhaft – „Scheißmüh-Bua“ eingehandelt hat, war ihnen – zu Recht – völlig egal. Ich konnte mit diesen Hänseleien im Übrigen auch recht locker umgehen, da meine Freunde alle extrem neidisch waren, weil ich jeden Tag Pommes, Würstel, Schnitzel, Eis usw. bestellen konnte.)

Aber zurück zur Geschichte. Wenn man zum Geburtstag einer Tante in ein Hotel zur Post in der Buckligen Welt am Sonntag um 11:30 eingeladen wird, weckt das tief liegende Kindheitserinnerungen: Gefühlt tausendjährige Verwandte, Geschenkkörbe mit Kochschokolade und Biskotten, fetttriefende Schnitzel, ein etwas muffiger Geruch und krächzende Tanten die einen jedes Mal fragen, ob man schon wieder gewachsen ist. Und nicht zu vergessen: Wein aus dem Doppler.

Ob ich schon wieder gewachsen sei wurde ich tatsächlich schon wirklich lange nicht mehr gefragt. Auch die Jubilare sind mittlerweile gefühlt nicht mehr tausendjährig (hier mag auch mein fortgeschrittenes Alter eine Rolle spielen) sondern in Wahrheit alle recht jugendlich und stehen voll im Leben. Statt Kochschokolade gibt es Reisegutscheine und das Hotel zur Post in Kirchschlag bietet ein vier-Gänge-Menü vom Feinsten.

Die allergrößte Überraschung war dann aber die Weinkarte. Von FX Pichler bis Krutzler, von Bordeaux bis Kalifornien war wirklich alles dabei. Die große Klasse und das Angebot von älteren Jahrgängen und Großflaschen zeigt, dass hier in der Post jemand ein echter Weinkenner und -freak ist. Das war jetzt wirklich nicht zu erwarten, und mit großem Interesse habe ich die Weinkarte studiert.

Zwar wurde bei der Feier dann nicht mit einem Smaragd „M“ oder einem Opus One aufgewartet, aber es gab dafür einen Rotgipfler Rodauner vom Weingut Alphart. Dieser Wein ist leider geil! Ein grandioser Speisenbegleiter. Sehr fruchtig und zugänglich, aber auch ein Versprechen für die Zukunft. Mit EUR 22,- war er auch sehr freundlich kalkuliert und hat Tantes Budget nicht übermäßig belastet.

Nachdem sich meine Frau als Autofahrerin mehr oder weniger freiwillig gemeldet hat, habe ich meinen Geschmacksnerven selbstverständlich auch die Gelegenheit gegeben, zum Zwiebelrostbraten den gewählten Rotwein – einen Kirnbauer Merlot Reserve 2013 – ganz genau zu testen. Die Rezeptoren glühten und meldeten „Dicht, intensiv, fruchtig mit einem Hauch von Holz.“ ans Gehirn. Dieses hat unmittelbar jede Menge Glückshormone ausgeschüttet. Schön!

 

 

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