Exakt 25.709 Tage war Bhumibol Adulyadej der Große König in Thailand. Nachdem er das zerstrittene und zersplitterte Land über sieben Jahrzehnte zusammengehalten hat, war es schon irgendwie „bad timing“, dass er ausgerechnet acht Tage vor unserem Thailand Urlaub verstarb. Alle Beobachter und Kommentatoren in den internationalen Medien sagen dem Königreich eine politisch schwierige und unsichere Zeit voraus. Aber noch nicht sofort. Jetzt wird zunächst vereint getrauert, und eine Reise in dieses wunderschöne Land war wahrscheinlich schon lange nicht mehr so sicher, wie in dieser Trauerphase.

So sind wir vor einer Woche hier angekommen und waren von der unglaublichen Gastfreundschaft der Menschen begeistert. Klar, das Volk trauert. 95% der Einheimischen tragen schwarz (der Rest weiß, da das hier ebenfalls eine Trauerfarbe ist) und rund um den Königspalast befinden sich Zehntausende Menschen, die „Ihrem Vater“ die letzte Ehre erweisen möchten. Uns drei bunten, weil blonden, Hunden wurde dabei mit großer Freundlichkeit begegnet. Wie alle Einheimischen hat man auch uns vorm Grand Palace mit gratis Trinken und Essen versorgt. Womit wir schon beim Thema wären. 

Die thailändische Küche ist ja weltweit als sehr vielfältig und „spicy“ bekannt. Dass hier aber seit knapp mehr als zwei Jahrzehnten auch ernsthafter Weinbau praktiziert wird, ist hingegen weniger bekannt. In verschiedenen Regionen werden rund 5000 Hektar bewirtschaftet, wobei aber rund 95% der daraus entstammenden Ernte als Speise-Trauben am Tisch landen. Lediglich etwas mehr als 250 Hektar werden für die Weinproduktion verwendet (zum Vergleich: Wien hat rund 700 Hektar Weinbaufläche). Nachdem der Weinbau in diesen Breitengraden nicht ganz einfach ist, muss dieser mit großem wissenschaftlichen Aufwand betrieben werden. Dahinter steckt dann auch das nötige Kleingeld. So steht zB hinter dem größten thailändischen Weingut (Siam Winery) der Mehrheitseigentümer von Red Bull, der mit internationalem Know How (eine deutsche Kellermeisterin) Weine mit Format erzeugt und so auch schon Aufsehen bei großen Weinverkostungen erregt hat. Sein Weingut befindet sich in der Nähe von Hua Hin, wo wir nach unserem Bangkok-Aufenthalt einige Tage am Meer verbracht haben. Am Tag unserer Ankunft hat es so richtig geschüttet, und daher war es absolut naheliegend, dass wir einen lokalen Wein (Hua Hin Winery, die zur Siam Winery gehört) mit dem Namen Monsoon River bestellt haben. Der Shiraz war relativ hell, aber sehr würzig und hat perfekt zu den bestellten Thai Gerichten gepasst.

Ein paar Tage davor haben wir uns schon in Bangkok von der tollen Qualität eines Granmonte Roseweins (ebenfalls Shiraz, der mit 66 Hektar die klare Nummer 1 in der Rangliste der lokalen Rebsorten ist) überzeugen dürfen. Hier habe ich mich dann mehr auf den Wein konzentrieren können, da sich das von mir bestellte Hühnergericht als panierte Hühnerfüße herausgestellt hat. Reisekumpanen von früheren Reisen können bezeugen, dass ich durchaus ein unerschrockener Esser bin, diese kruspeligen Hühnerzehen waren aber dann auch mir zu viel. Der Wein war hingegen fantastisch, und von internationalem Format. Dies belegen auch die vielen Auszeichnungen, unter anderem von der AWC 2015 in Wien.


Neben den einheimischen Weinen werden aber in Thailand vor allem Weine aus Chile und Australien angeboten. Sehr überrascht waren wir, als es sogar bei einem sehr netten Night Market  im Foodbereich Weine zu kaufen gab. So haben wir gestern einen Shiraz (eh klar) aus Australien bestellt. Man wollte mir dazu einen Weinkübel mit Eis geben, was ich aber abgelehnt habe, da die Flasche ohnehin aus einem Kühler kam. Dazu gab es wunderschöne Wein“gläser“ aus Plastik, in stylischem Rosa und Blau.  Der erste Schluck hat mir einen kältebedingten Stich auf der Stirn beschert, den ich sonst nur bei Eis bekomme. Diese rote Flüssigkeit aus dem babyblauen Weinbecher hatte sicher nicht mehr als 5 Grad! Auch etwas, was ich wohl nie vergessen werde. Der kälteste Rotwein meines Lebens.

Fazit: Thailand ist ein wunderschönes, spektakuläres und hochinteressantes Land mit äußerst liebenswürdigen Menschen. Man kann nur hoffen, dass es die kommenden politischen Veränderungen ohne große Konflikte überstehen wird und der neue König das Land weiter eint und in eine prosperierende Zukunft führt. Auch weil es spannend sein wird zu beobachten, wie sich die noch junge Weinwirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird.