Ich habe hier auf Weinroulette ja kürzlich eine neue Rubrik „Winzerinnen“ eingeführt und gleich mit einer Recherche über mögliche Verkostungs-Kandidatinnen begonnen. Das war wirklich nicht schwer, da derzeit das Thema in allen Fachmedien (sicher wegen meinem Beitrag im Sommer ;-)) sehr populär ist. Ich habe einige Winzerinnen kontaktiert und wohl aufgrund der Lesezeit recht wenig bzw. sehr schleppend Rückmeldung bekommen. Nicht so von den Rennersistas, mit denen ich dann irgendwie das letzte Wochenende verbracht habe.

Der Ablauf war in etwa so:

Freitag, 14. Oktober.

09:03: Email von mir an die Rennersistas; Inhalt (sinngemäß): Hallo ich bins und ich würde gerne über Euch schreiben. Welche Weine sind denn für Euch typisch und wo kriege ich die her?

13:01:  Ich bekomme ein total nettes und langes Email mit dem Hinweis, dass es gleich unweit von meinem Zuhause die Weine zu kaufen gibt (www.weinskandal.at)

17:02: Ich erwerbe einen Weißburgunder und eine Rotweincuvee „Waiting for Tom“. Beide 2015er Jahrgang

19:30 Beide Flaschen werden geöffnet und sofort probiert.

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Der „Weiß“wein lässt mich gleich mal optisch erschaudern, weil weiß ist da nämlich gar nichts – sondern orange und trüb. Okay, dann muss man halt mal die Nase reinstecken. Na bumsti, Heuwiese und Kräuter, sehr intensiv. Der Probeschluck lässt auf meinem Gaumen ein Feuerwerk von sehr untypischen Weinaromen explodieren. Kräuter, ein wenig Gemüse (Sellerie?) und im extrem langen Abgang zusätzlich ein Hauch von Hustensaft. Äußerst intensiv und für den normalen Weingaumen auch ein wenig verstörend. Ich war aber durchaus positiv gestimmt und habe das erste Glas mit großen Augen und völlig irritierten Geschmacksnerven getrunken.

Der Rotwein schmeckte hingegen beinahe total normal. Der war nämlich extrem gut und beängstigend trinkanimierend.

20:52

Ich traue mich über ein zweites Glas vom Weißburgunder. Noch immer komplett abgefahrenes Zeug. Jetzt kommen massive Assoziationen von Apfelsaft auf, oder spielen mir da meine Geschmacksnerven aufgrund des Aussehens einen Streich. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hab ich nach dem zweiten Glas definitiv genug….für diesen Tag. Der Rotwein noch immer saugut und noch immer richtiggehend normal.

Samstag 15. Oktober

09:47 Frühstücken in der Manameierei. Ich denke an den Weißburgunder und überlege ob es sozial ok wäre, um diese Uhrzeit Wein zu trinken. Hinter mir bestellt jemand seelenruhig – während ich meinen großen Braunen zur Eierspeise konsumiere – drei weiße Gespritzte.

11:53 Nach einer kleinen Wanderung mit Freunden auf der Sophienalpe trinke ich ein großes Soda-Zitrone in der Mostalm. Wieder muss ich an diesen verdammten Weißburgunder denken. Am Nachbartisch bestellt sich eine junge Familie zum Mittagessen eine Flasche Wein. Hmmm, kein Wunder, dass wir Österreicher in sämtlichen Alkoholranglisten ganz vorne sind…

16:23 Ich muss diesen Weißburgunder wieder probieren. Jetzt wieder Kräuter und Heu. Ganz arg. Hat nichts von seiner Intensität eingebüßt. Der „Waiting for Tom“ weigert sich ganz einfach, sich irgendwie zu verändern und bleibt einfach nur gut.

17:00 Ab ins Weststadion.

20:33 Übel gelaunt (und nicht ganz nüchtern) am Heimweg vom Weststadion

21:17 Noch immer übel gelaunt aufgrund des miesen Rapid-Matchs schenke ich mir wieder den Weißburgunder ein. Ich schmecke plötzlich Birne, Salz und Minerale. Der Wein macht mich ganz wahnsinnig. Der Rotwein steht weiter da wie eine eins.

Sonntag 16. Oktober

Ich versuche nicht an den Weißburgunder zu denken, was mir bis zum Nachmittag so halbwegs gelingt.

15:30 Ich genehmige mir zu Kaffee und Schokoladekuchen wieder zwei Gläser. Die Süße des Kuchens lässt den Weißburgunder, der noch immer extrem intensiv riecht und schmeckt, etwas herber erscheinen. Meine Frau sagt: „Der schmeckt staubig“, und das trifft den Nagel auf den Kopf. Vom Rotwein ist sie begeistert, so wie ich.

20:00 Die letzten beiden Gläser werden eingeschenkt, zur Pizza (Ok, Niveau kann man nicht kaufen). Der Weißburgunder hat sich zum – gefühlt – zehntenmal geschmacklich verändert und wirkt wieder so wie vor knapp 50 Stunden. Kräuter, Heu, Schalen. Irres Zeug, das einen schonmal ratlos zurücklassen kann. Ich bin wahrlich äußerst skeptisch was Orange Weine betrifft. Dieser hat mich aber schon in seinen Bann gezogen. Den muss man mal probiert haben.

Beeindruckt hat mich aber auch der Waiting for Tom, der sich über die zwei Tage (auf Tom haben die sistas wohl länger gewartet) herrlich präsentiert hat. Ein sehr feiner, zugänglicher und tiefgründiger Rotwein. Klasse.

 

 

 

 

 

 

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