Letztes Wochenende war wieder einmal die jährliche Flurbereinigung der Weinvorräte angesagt. Wie im letzten Jahr (LINK) habe ich mir dazu die Kochschürze umgebunden und einige Freunde zu einem netten Abendessen inklusive Weinbegleitung eingeladen.

Eines gleich vorneweg. Die Bezeichnung Flurbereinigung ist keineswegs despektierlich gegenüber den dafür ausgewählten Weinflaschen gemeint. Ganz im Gegenteil. Es wurden von mir aus den Vorräten einige hervorragende Flaschen ausgewählt, die passend zum Menü entsprechend verkostet werden sollten. Das war zumindest mein Plan.

Zu Beginn war auch alles auf Schiene. Die Gäste kamen und zum Lockerwerden haben wir uns einen Zweytick Sprizzz aus Ratsch an der Weinstraße genehmigt. Der knochentrockene und trotzdem fruchtige Frizzante war der perfekte Einstieg.

Als Vorspeise habe ich den hungrigen (und leider auch sehr durstigen) Mäulern eine rote Rüben-Feta-Walnuss Komposition kredenzt. Die roten Rüben werden kurz angebraten und mit einigen EL Balsamico abgelöscht. Darüber habe ich ein am Vortag zubereitetes Gemisch aus angerösteten Wahlnüssen versetzt mit Olivenöl, Salz, Pfeffer, Thymian geleert und das ganze dann mit frischem Feta bestreut. Herrlich. Als Weinbegleitung gab es dazu den RW #1 2015 vom Reinhard Winiwarter. Der durchaus kräftige und saftige Grüne Veltliner passte perfekt. Wieder war die Flasche im Nu erledigt. Ich hätte die Zeichen erkennen sollen, aber ich war noch immer naiv und blauäugig.

Als Hauptspeise kamen dann am Vortag marinierte (Olivenöl, Rosmarin, Knoblauch, Zitronensaft) Lammkoteletts mit Zitronenkartoffeln (Kartoffeln geteilt, mit Olivenöl, Zitronensaft und Rosmarin vermischt und dann im Backrohr goldig gebacken) aufs Teller. Zu diesem kräftigen Gericht habe ich einen Chardonnay Reserve 2014 vom Weingut Buchegger und einen 2011er Pinot Noir „Unter den Terrassen“ vom Weingut Umathum gewählt. Der Chardonnay war einfach perfekt. Wunderbar eingebundenes Holz, cremig, mit viel Schmelz. Genial zum Lamm und – welche Überraschung – einfach wie nichts ausgetrunken. Der Rotwein wurde hingegen nicht angerührt.

Dann haben sich die Ereignisse überschlagen und mein Wein-Menü-Plan ist komplett aus den Fugen geraten.

Ich: So, jetzt trinken wir Rot weiter……
Alle: ???(Unverständnis)
Ich: Hmmm, oder wollt ihr lieber Weiß? Dann müsst ihr aber 20 Minuten warten bis eine weitere Flasche kalt ist.
Meine Frau: Warum? Da ist doch eine Flasche im Kühlschrank.
Ich (Angst!): Ja, aber das ist der Riesling Kellerberg vom F.X. Der kostet irgendwas über EUR 60,- und war außerdem ein Geschenk zu meinem Geburtstag und überhaupt ist der für einen besonderen Moment.
Alle: ??? (Unverständnis, da alle der Meinung waren, dass dieser Moment gerade extrem besonders ist)
Meine Frau: Auf damit, aber flott!
Ich (NEIN!BITTE!NICHT!): Naja, warum eigentlich nicht…

So war dann in die Flurbereinigung tatsächlich ein vom Falstaff Magazin mit 97 Punkten bewerteter 2013er Riesling Smaragd Kellerberg vom F.X. Pichler reingeraten. Ich habe den Wein – mit allergrößter Demut und (so ehrlich muss ich dann auch sein) noch größerer Vorfreude – dekantiert. Naja, was soll ich sagen. A fucking masterpiece!! Voller Frucht, ganz engmaschig, aber nicht breit. Ganz im Gegenteil. Eher schlank und elegant. Unfassbare Tiefe, mit ewigem Abgang. Oh Mann. Was für ein Wein. Rieslinghimmel!

Der geneigte Leser wird jetzt nicht überrascht sein, dass der Wein ebenfalls ratz-fatz weg war und ich somit (es wollte ja noch immer niemand Rotwein trinken) noch einen 2009er Riesling Rothenbart Erste Lage vom Weingut Neumayer geöffnet habe. Der Wein begleitete dann noch das Dessert: Vanilleis mit Kürbiskernkrokant und Kürbiskernöl. Eine Delikatesse. Der Rothenbart war für mich persönlich die Überraschung des Abends. Wie ein reifer, saftiger Pfirsich in den man beißt und dann im Gaumen die Frucht so richtig explodiert. Dazu eine feine Säure als Rückgrat, wie aus einem Guss. Der ist aktuell wohl an seinem (ersten) Höhepunkt!

Fazit: Ein wunderbarer Abend mit netten Leuten und großartigen Weinen. Die Flurbereinigung war gründlicher als ich mir das eigentlich erhofft habe, aber mein Gott. Es gibt wirklich Schlimmeres! Den Pinot Noir vom Umathum habe ich übrigens dann in den nächsten Tagen glasweise mit allergrößtem Genuss getrunken.