Meine Frau hat es – wieder einmal – nicht leicht mit mir. Nicht nur, dass ich mehrmals täglich die diversen Internetportale nach besonderen Weinen bzw. Schnäppchen screene, nein, sie muss dann auch noch mit herumstehenden Weinflaschen (der Weinklimaschrank ist übervoll) klarkommen. Besonders ins Auge springt ihr aktuell eine Holzkiste mit sechs Flaschen Umathum, die unseren Abstellraum verbarrikadiert. Da muss man jetzt ein wenig ausholen. Vor ein paar Wochen machte mich ein Angebot auf willhaben.at hypernervös. Da verkaufte jemand in unmittelbarer Nachbarschaft eine wunderschöne Originalkiste mit sechs Umathum Hallebühl 1997 um EUR 200,-. Na bumm! Das musste ich erstmal ein, zwei Tage setzen lassen. Immerhin sind EUR 200,- jetzt weit außerhalb meines selbst auferlegten Wein-Budgets. Auf der anderen Seite ist der Verkäufer ganz in meiner Nähe, und – noch viel wichtiger – ist der 1997er Umathum einfach eine Legende! Ich habe ein wenig herum recherchiert und bemerkt, dass es einen Weinhänder gibt, der diesen Wein um EUR 65,- verkauft, also um das Doppelte von meinem Einkaufspreis. 2001 haben 99 Hallebühls aus dem Jahr 1997 bei einer Charity-Versteigerung insgesamt einen Erlös von beinahe EUR 150.000 gebracht.

Somit war der Business Plan (der mir – ohne jetzt zu viel verraten zu wollen – nicht den Wirtschaftsnobelpreis bescheren wird) schnell gemacht: Ich kaufe die sechs Flaschen, und verkaufe sofort vier davon über willhaben und ebay und finanzieren somit den gesamten Deal bzw. mache sogar noch einen kleinen Gewinn. Jawohl! Meine Frau war von dem Plan nicht sofort komplett überzeugt und murmelte irgendwas von „notwendiger Besachwalterung“.

Egal. Gesagt, getan! Die Kiste war schnell bei mir daheim und zwei Flaschen sofort auf Ebay. Der Verkauf ist mehr als schief gegangen. Die Gebote sind nicht über die magische Marke von EUR 70,- (für zwei Flaschen) gegangen, weshalb die Weine in meinem Eigentum verblieben sind (ich will hier keine schmutzigen Details über das Wie verraten). Ein zweiter Versuch ist noch übler in die Hose gegangen. Danach hab ich Einzelflaschen auf willhaben und Shpock um EUR 45,- eingestellt. Das Ergebnis ist – vorsichtig formuliert – überschaubar. Vielleicht gibt es weniger Freaks (oder „Idioten“ wie meine Frau liebevoll sagt), die auf willhaben, ebay und Shpock Wein einkaufen, als ich dachte.

Jetzt hab ich sie also daheim, die sechs Hallebühls 1997. Dann machen wir halt mal einen auf, dachte ich mir letzten Freitag. Ich war wirklich sehr andächtig, da es sich dabei – wie erwähnt – schon um einen ganz besonderen österreichischen Wein handelt. 1997 ist zweifelsohne ein bemerkenswertes Jahr gewesen. Toller Wetterverlauf und Bombenweine. Sofort war das Schlagwort „Jahrhunderjahrgang“ in aller Munde. Viele der 97er Weine haben sich aber nach einigen Jahren in ihr Schneckenhaus zurückgezogen, und viele sind dann auch nicht mehr raus gekommen. Nicht so aber der Hallebühl, wenn man diversen Berichten im Internet Glauben schenken darf.

hallebuhl2Ich hab den Wein geöffnet und gleich dekantiert. Farblich alles tip top. Dunkel, vielleicht mit einem ganz leichtem Alterston am Rand. Von Beginn an schöne Nase nach gereiftem Wein, bissl Dörrobst, aber sehr sexy. Dann der erste Schluck. Rassig, würzig und voller Leben. Es fällt einem sofort die frische Säure auf. Beim zweiten Schluck dann auch noch jede Menge Frucht, die aber von der Säure etwas überlagert ist. Auch der Abgang könnte länger sein. Naja, der Abend war noch jung und der Wein war fast 20 Jahre in der Flasche. Kein Wunder, wenn der nicht sofort dick da ist.

Nach einer Stunde war der Hallebühl schon ein wunderbarer, reifer Rotwein, dem man sein Alter überhaupt nicht anmerkte. Die Säure ist noch immer sehr lebendig, aber die Frucht tritt stärker in den Vordergrund. Nach zwei Stunden (leider schon die letzten Gläser) noch besser und runder. Ein bemerkenswerter und feiner Wein, der seinem Namen und Ruf alle Ehre macht. Ich habe so das Gefühl, dass der auch in zehn Jahren noch hoch interessant sein wird.

Einsatz: EUR 33,-
Gewinn: 1-1 Man bekommt für sein Geld etwas geboten.

Fazit: Sollte jemand der Meinung sein, dass in seinem Keller unbedingt ein (bis vier) Hallebühl 1997 lagern sollte, dann ist er mit EUR 45,-/Flasche sofort dabei. Vielleicht sogar um EUR 40,- oder – wenn er gut verhandelt – um EUR 35! Na gut, EUR 33,- ist mein letztes Wort. Bitte! Meiner Ehe zuliebe!

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