Ich habe ein Problem. Zugegebenermaßen handelt es sich dabei wohl eher um ein first-world-problem, aber dennoch. Meine Frau steht nicht so auf Weißwein. Zumindest nicht auf die „typisch österreichischen“. Sprich Grüne Veltliner & Co, die üblicherweise mit einer knackigen Säure versehen sind. Sie trinkt ein Glas, aber gemeinsam eine Flasche zu genießen. Das geht nicht wirklich.

Was tut man da als liebender Ehemann? Man verzichtet ab sofort auch auf Weißwein und trinkt nur mehr Rosé und Rot. Könnte man machen, muss man aber nicht. Nein, man experimentiert so lange herum, bis man Weißweine findet, die auch der „holden Olden“ schmecken. Gar nicht so leicht. Aber es gibt sie! Der Rotgipfler Top Selection vom Weingut Alphart ist so ein Wein. Aber auch etwas gereifte Chardonnays haben hier Potential für gemeinsamen Trinkspaß, sind aber auch noch lange kein Garant für Erfolg.

Über willhaben sind mir in zwei unterschiedlichen Tranchen zwei komplett unterschiedliche Chardonnays von einem Käufer zugekommen. Zum einen ein Österreicher vom Weingut Topf: Chardonnay Hasel 2009 (EUR 11,-). Und zum anderen ein Franzose „Cuvée Claude Denogent Les Cras 2010“ von der Domaine Robert Denogent (EUR 13,-).

hasel2Dem Hasel sieht man im Glas seine Reife schon etwas an. Etwas dunkleres Gelb, aber sehr frische Nase. Auch am Gaumen fruchtig, breit, etwas rauchig und eine lebendige Säure. Ein feiner Wein, der mir wirklich gut geschmeckt hat und der auch in einigen Jahren noch richtig Trinkspaß bieten wird. Aber ein erster banger Blick galt natürlich meiner Frau. Ihr Gesicht sagte alles. Noch so ein Wein, und Du wirst eine abHASELn. Liebes Weingut Topf! Wenn Sie das hier lesen: Kein Sorge! Alles ist gut, alles richtig gemacht. Der Wein ist toll. Meine Frau hat halt nicht nur bei Männern einen etwas fragwürdigen Geschmack…

Ok, nach der Niederlage gab es dann mal eine Weile keine Weißwein-Experimente mehr. lescrasBis uns letzte Woche der wunderbare Spätsommer zu einer kleinen Grillerei auf der Terrasse verführt hat. Ich habe mir erlaubt (nicht ohne zuvor die Zustimmung meiner Frau einzuholen), den „Les Cras 2010“ zu öffnen. Diesmal habe ich den Wein auch dekantiert (das hätte dem Hasel auch gut getan). Farblich war der Chardonnay heller als der Hasel, auch im Geruch und Geschmack gab es große Unterschiede. Viel schlanker, mineralischer und nicht so „stoffig“. Ein ganz eleganter Wein – mit schön eingebautem Holz – der auch ewig haften bleibt. Kurzer Blick auf mein Gegenüber. Eine zufrieden nickende Frau. Da lacht das vinophile Herz!

Einsatz: EUR 11,- und EUR 13,-
Gewinn: Aus meiner Sicht, jeweils 1-2. Der Einsatz wurde mit doppeltem Genuss und Trinkspaß belohnt.