Unter den knapp 15.000 Winzern in Österreich gibt es jede Menge Unikate und bunte Hunde. Meine Frau und ich sind vor rund einem Jahr bei einer Weinverkostung so einem bunten Hund begegnet. Nämlich dem „Elvis vom Jägerberg„, Wilfried Schilhan. Auf den ersten Blick hat er mich eher an Charly Sheen erinnert, aber auf den zweiten Blick dann doch eher an Elvis. Cowboystiefel, Jean und Lederjacke. Ein auffälliger Auftritt.

Bei einem wunderbaren Wochenende in der Südsteiermark haben sich nun unsere Wege wieder gekreuzt. Naja, nicht wirklich persönlich, aber wir hatten zumindest die Gelegenheit einige Weine von der Schilhan Weinmanufaktur zu verkosten. Eines kann man gleich vorweg nehmen: So außergewöhnlich der Winzer, so außergewöhnlich sind auch die Weine.

Aber der Reihe nach. Die Weinmanufaktur Schilhan teilt die Weine in verschiedene Linien, wie „Klassik“, „Pop“, „Rock“ oder „Soul“ ein. Begonnen haben wir mit einem „Grauer Burgunder 2015“ aus der „Rock“ Linie. Auf dem Etikett ist niemand geringerer als Jimi Hendrix abgebildet, was für Weinflaschen jetzt schon unter die Kategorie „bemerkenswert“ fällt. Dennoch finde ich persönlich die Aufmachung der Flasche sehr gelungen. Passt aber auch der Inhalt dazu? Ja, das kann man so sagen. Ein spezieller Grauer Burgunder, auf der Hefe vergoren und im großen Holzfass ausgebaut.  So bekommt man einen spannenden und komplexen Wein ins Glas. Das Holz ist schön eingebunden, und so kommt auch die Frucht gut zur Geltung. Ein feiner Einstieg.

Danach kam ein „Blauer Zweigelt 2009“ aus der „Soul“ Linie dran (am Etikett ist die Soullegende James Brown). Der Zweigelt wurde 36 (!) Monate im kleinen Holzfass ausgebaut. Man bekommt einen dunkelroten, enorm dichten, kräftigen und besonderen Zweigelt. Unglaublich viel Struktur und Charakter. Vanille, etwas Tabak und Kirschfrucht. Absolut bemerkenswert, aber sicher auch nicht jedermanns Sache. Ich bin kein großer Freund der Zigarren & Rotwein Kombination, aber dieser Zweigelt nimmt es locker mit einer Havanna auf.

Wer jetzt glaubt, dass es nicht mehr abgefahrener geht, der täuscht sich gewaltig. Der dritte Wein, den ich von Wilfried Schilhan probiert habe, war ein „Blauer Wildbacher 2007“ (ebenfalls aus der Soul Linie) der unfassbare 72 (in Worten zweiundsiebzig) Monate im kleinen Holzfass ausgebaut wurde. Jetzt ist die Blaue Wildbacher Traube eigentlich hauptsächlich als Schilcher (= Rosewein) bekannt. Aufgrund der rassigen Säure und dem doch markanten Geschmack machen nur wenige Winzer daraus auch Rotwein. Den Blauen Wildbacher aber gleich so lange im Barrique auszubauen ist ein ganz radikaler Ansatz. Dieser Wein ist ganz sicher nichts für schwache Geschmacksnerven. Einfach unglaublich. Erdig, würzig, strukturiert mit ein bisserl Schoko aber auch Beerenfrucht. Bleibt lange am Gaumen haften und lässt einen verwirrt zurück. Ist das jetzt wirklich gut? Ich weiß es nicht, aber es ist auf jeden Fall geil! Ja, das sollte man probiert haben und dann kann sich jeder selbst ein Urteil darüber bilden.

Fazit: Ich bin immer wieder begeistert, wenn die Produkte der Winzer auch deren Persönlichkeit widerspiegeln. Wilfried Schilhan lebt Wein und Musik. In der Buschenschank Schilhan gibt es regelmäßig entsprechende Wein & Music Events, und dieser Zugang spiegelt sich auch in den Weinen wieder. Da ist definitiv Musik im Glas, auch wenn man vielleicht nicht jede Art von dieser Musik mag, ist in der breiten Angebotspalette aber dennoch ganz sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

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