Der „G’Spritzte„, „Spritzer„, „Spritzwein“ oder „Sprühwein“ ist eine echte österreichische Institution, die es so lange gibt wie die Heurigen. Irgendwie hat man aber den Eindruck, dass diese Institution in den letzten Jahren etwas außer Mode gekommen ist. Auf der einen Seite gibt es die „Bobo-Spritzer-Konkurrenz“ wie z.B. Aperol, Hugo, Lillet etc., und auf der anderen Seite sind die Liebhaber des unverfälschten Weingeschmacks (also ganz ohne Rosen-, Holunder- oder Bitter-Geschmack) eher zur „Trennkost“ (Wein und Wasser getrennt) umgestiegen.

Mir geht es ehrlich gesagt ganz genauso. Ich habe im heurigen Jahr ganz sicher noch keinen weißen Spritzer getrunken, und das gilt wohl auch fürs letzte Jahr. Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr an meinen letzten Spritzer erinnern. Vor zehn Jahren war das auf jeden Fall noch ganz anders. Damals hab ich bei sehr vielen sozialen Anlässen (wenn man etwa mal mit Arbeitskollegen auf einen after-work-drink zu Sand and the City gegangen ist) im Sommer immer einen (oder – Hand aufs Herz – meistens mehrere) Spritzer getrunken.

Meine Frau und ich waren kürzlich bei hochsommerlichen Temperaturen wieder einmal bei Sand and the City. Dort habe ich ganz selbstverständlich zwei, drei Achterl Weißwein u dazu Mineralwasser getrunken. Auf die Idee, diese beiden Flüssigkeiten zu mischen (bzw. mischen zu lassen), bin ich erst gar nicht gekommen.

Steininger1Ähnlich bei einem netten Besuch beim „Das Campus“ auf dem WU Gelände an einem wunderbaren Sommerabend . Wir sind draußen gesessen, haben gut gegessen und uns eine – herrlich fruchtig, frische – Flasche Muskateller (Roter und Gelber) 2015 vom Weingut Steininger aus Langenlois dazu bestellt. Welch Genuss. Früher hätten wir uns dazu ein paar weiße Spritzer genehmigt.

Nein, der G’Spritzte ist gerade wirklich nicht „in“, wie auch eine aktuell gestartete Imagekampagne von „Österreich Wein“ beweist.

Muss man sich aber Sorgen machen? Nein, ganz bestimmt nicht! Lillet, Hugo und Aperol sind ja nur Abwandlungen dieses großen Klassikers. Diese Modeerscheinungen werden wieder verschwinden und irgendwann – wie die Dauerwellen – halt auch wieder modern werden. Was jedoch bleibt, ist der weiße Spritzer, der diese „Spaßettln“ mit großer Gelassenheit – und wienerischem Gleichmut – über sich ergehen lässt.

Um es mit den Worten des Wiener Bürgermeisters zu sagen: