Seit 2007 gibt es das eigenständige Weinbaugebiet „Der Wagram“ (zuvor „Donauland“), das sich von Krems stromabwärts bis vor die Tore Wiens zieht. Benannt ist es nach einer bis zu 40 Meter hohen Geländestufe, die beinahe gänzlich aus eiszeitlichem Löss besteht. Der Nichtwisser mag jetzt vielleicht mit den Schulter zucken, aber bei den Weinkennern beginnen beim Wort Löss die Augen zu leuchten.

Der sandige Lehm lässt nämlich sehr fruchtige und charaktervolle Weine gedeihen. Vor allem der Grüne Veltliner entwickelt sich auf Löss ganz hervorragend. So ist es auch kein Wunder, dass viele Top-Weine aus dem Wagram Veltliner sind. Der Rote Veltliner ist ebenfalls eine Wagramer Besonderheit, aber auch die „Burgundersorten“ fühlen sich auf den nach Süden gerichteten Lössterrassen pudelwohl.

Überhaupt hat die Eigenständigkeit (Donauland war ja lange Zeit mit dem Weinbaugebiet „Carnuntum“ verbunden) und Umbenennung des Weinbaugebietes nochmals richtig Schwung mit sich gebracht. Neben den ohnehin schon lange Zeit arrivierten Top-Winzern (Leth, Ott, Fritsch uvm.) haben sich viele junge Winzer in den letzten Jahren vermehrt ins Rampenlicht gespielt. Das Weingut Direder ist ein solches, und ich durfte am Wochenende drei tolle Weißweine aus deren Sortiment probieren.

Der Gesichtsausdruck meiner Frau, als sie am Samstag Abend den Tisch mit drei frisch geöffneten Weinflaschen und drei eingeschenkten Weingläsern nebeneinander gesehen hat, sprach Bände. Wann werden wir endlich wieder einmal einfach nur eine Flasche Wein trinken, ohne Fotos, ohne dem Herumkosten und ohne dem ganzen Weinblog-Wahnsinn. Naja, niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde, und so „musste“ sie mit mir die tollen Weine probieren.

Der Erste, war ein 2015er Grüner Veltliner Schlossberg, aus der „charaktervoll“ Linie des Hauses. Was sofort – neben dem typischen Pfefferl und der schönen Aromatik – auffällt: der Wein ist für einen klassischen Veltliner schon recht dicht und üppig und macht gleich mal richtig Laune. Der Wein ist ganz klar auch ein vielseitiger Speisenbegleiter.

Als zweiten Wein probierten wir die Grüner Veltliner Schlossberg Reserve 2014. Allein aufgrund der Aufmachung merkt man schon, dass es sich dabei wohl um einen besonderen Liebling und Topwein der Direders handelt. Aus der Burgunderflasche mit dem dunklem Etikett kommt ein richtiger „Veltliner-Brummer“ ins Glas. Wuchtig und komplex, aber mit Finesse und Charakter. Ein toller Wein, der auch in einigen Jahren noch (mehr) Trinkspaß bieten wird.

Nachdem aller guten Dinge drei sind, haben wir dann noch den 2014er Weißburgunder Reserve probiert. Hui, das ist ein ganz ein Feiner! Jede Menge süße Exotik (Mango!) die herrlich von der Säure eingefangen wird. Hat mir vor allem am Sonntag am Abend (also nachdem die Flasche 24 Stunden geöffnet war und nur zwei Glas gefehlt haben) richtig imponiert. Ich sollte vielleicht (wieder) etwas mehr Weißburgunder trinken…

Fazit: Die Direders sagen über sich selbst, dass sie Weine mit „Schmalz“ machen möchten. Da kann man nur gratulieren, denn das ist ihnen – zumindest bei den drei Weinen, die ich probiert habe – absolut gelungen.  Sehr dichte, charaktervolle und eigenständige Weine mit einem ganz tollen Preis/Leistungsverhältnis (der Schlossberg kostet ab Hof EUR 8,70 und die beiden Reserven EUR 11,50).

So möchte ich meinen Beitrag mit einer Strophe von STS beenden: „Rinnen muss das Schmalz, und i sag, Gott erhalt’s. Schenk mia no a Viertel ein und denk, was sein muss, das muss sein!“