Die Europameisterschaft ist geschlagen. 51 Partien wurden insgesamt gespielt, und es gibt einen – mehr oder weniger – würdigen Europameister. Wir hingegen haben ein zutiefst österreichisches Turnier gespielt. Vom Geheimfavoriten zum „Geh-heim Favoriten“! Leistungsträger, die komplett außer Form waren, abenteuerliche Aufstellungsvarianten, und am Ende soll dann das eine oder andere Quäntchen Glück gefehlt haben. Immerhin haben wir aber dem späteren Turniersieger ein heroisches 0-0 abgeknöpft (Haha, auch dieser Gedanke könnte österreichischer nicht sein)! 

So war es also nur würdig und recht, knapp vor Abschluss der EM auch einen zutiefst österreichischen Weinabend (in den inoffiziellen österreichischen Nationalfarben Rot – Weiß – Rosé) mit Bekannten zu begehen.

Begonnen haben wir mit einem frisch, fruchtigen Rosè 2015 vom Weingut Pittnauer aus Gols. Kühl serviert, hat diese Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt mit seiner Beerenfrucht und der frischen Säure die knapp 30 Grad Außentemperatur schnell erträglich gemacht. Ein perfekter Aperitif und ein herrlicher Sommerwein. Bemerkenswert, welchen Aufstieg der Roséwein in Österreich hingelegt hat. Man könnte fast sagen, dass diese Weine (gemeinsam mit Muskateller & Co) eine andere österreichische Institution mittlerweile ziemlich in den Hintergrund gedrängt haben – den weißen Spritzer. (Aber das ist eine andere Geschichte).

Zum Essen durften wir dann zwischen einem Riesling Heiligenstein Kamptal DAC 2014 vom Willi Bründlmayer und dem Arachon 2011 von T-FX-T wählen.

Die beiden Herren in der Runde Gästen haben sich zunächst einmal um den Riesling aus Langenlois gekümmert. Was soll ich groß sagen? Der Bründlmayer ist ein schon ein großer Könner, bei dem auch die Mittelklasse-Weine schon ganz, ganz feines Weinkino sind.  Der Riesling ist ganz typisch. Saftig und füllig, mit ein bisserl Weingartenpfirsich am Gaumen und einer sehr gut passenden Säure. Alles wunderbar und harmonisch verwoben. So wird dieser Wein auch in ein paar Jahren sicher noch eine Riesenfreude machen.

Die Damen haben sich eher den Arachon 2011 vorgenommen (ok, ich habe da auch ein wenig mitgeholfen). Auf den war ich schon extrem gespannt, da dies mein erster Arachon seit vielen Jahren war. Ich habe dieses Produkt der österreichischen Weingiganten Tement, F.X. Pichler und Tibor Szemes in den Anfangsjahren (begonnen hat alles im Jahr 1996 mit dem „Arachon Revolution“, und seit 1997 dann „Evolution“) relativ genau verfolgt, aber dann irgendwie ein wenig aus den Augen (und Gaumen) verloren.

Die Cuvée aus Blaufränkisch, Merlot, Cabernet Sauvignon und Zweigelt aus dem sehr guten Jahr 2011 wurde insgesamt 20 Monate in großteils neuen Barrique Fässern ausgebaut und zeigt sich von der ganz dichten, stoffigen und kraftvollen Seite. Sehr dunkel, beerig mit zartem Holzeinsatz und gut integrieriten Tanninen. Wie aus einem Guß.

Die lange Turnierzeit hat sich bei den Gästen und mir dann aber offensichtlich schon ein wenig bemerkbar gemacht, da die Flasche nicht ganz geleert werden konnte. So war es mir möglich, den Wein auch an den beiden folgenden Tagen mit einem Gläschen nachzuverkosten. Die zusätzliche Luft hat dem Wein hervorragend getan. Er ist noch ein wenig runder und zugänglicher geworden und wird wohl ein richtiger Langstreckenläufer. Glücklich ist, wer davon einige im Keller hat und die Entwicklung dieses Weins beobachten kann.

Fazit: Ach, hätten unsere Fußballer auch in Frankreich so „performt“. Europa würde über uns sprechen und nicht über die tapferen „Sons“ der Vulkaninsel.

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