Der letzte Freitag hatte es ziemlich in sich. Ich war ja schwer geschockt, als ich früh morgens gehört habe, dass sich die Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden haben. Als humanistisch gebildeter Mensch ist mir gleich das legendäre Asterix Zitat: „Die spinnen, die Briten!“ eingefallen. Aber nachdem es sich hier um einen Wein-Blog handelt, werde ich es damit auch auf sich beruhen lassen. 

Oder doch nicht? Mein Beitrag handelt nämlich von einer der boomenden Weinregionen der Welt: Neuseeland! Und dort ist immerhin Queen Elisabeth II das aktuelle Staatsoberhaupt. Ein Überbleibsel jener Zeit, wo die Briten noch nicht so große Probleme mit einem Staatenverbund hatten, dafür aber sehr wohl mit den „gain back control“ Tendenzen „ihrer“ Länder ihre liebe Not hatten. Isn’t it ironic?

Neuseeland hat sich – wie gesagt – in Bezug auf die Weinwirtschaft in den letzten Jahrzehnten äußerst gut entwickelt. Ist doch diese mittlerweile schon die achtwichtigste Exportbranche des Landes. Vor allem die Sauvignon Blancs, Pinot Noirs und Chardonnays sind mittlerweile – völlig zu Recht – weltbekannt. Von den über 60.ooo Hektar Weinfläche sind mittlerweile aber auch rund 35 Hektar mit Grüner Veltliner bepflanzt. Die führende österreichische Rebsorte ist derzeit – ebenso wie die Weine Neuseelands – weltweit extrem gefragt und wird mittlerweile zunehmend auch in allen wichtigen Weinregionen dieser Welt gepflanzt.

Es ist also höchste Zeit mal zu probieren, wie denn ein „Gru“, „Gruner“ oder „GruVe“ (die englisch-sprachigen Weinliebhaber tun sich damit halt leichter) so schmeckt, und so haben wir am Freitag einen „Nautilus Grüner Veltliner 2014“ aus Marlborough verkostet. Dieser schmeckt auf jeden Fall doch sehr anders als ein typischer Weinviertel DAC. Eh logisch, und auch richtig so. Auffällig war zunächst einmal, dass er weniger Säure hatte (etwas, was vor allem den Damen sofort positiv aufgefallen ist). Auch das typische „Pfefferl“ war nicht zu erkennen. Er war auch nicht so „frisch“, dafür aber viel weicher und vom Geschmack her exotischer als der typische Veltliner aus Österreich.

Alle waren angenehm überrascht und angetan. Es ist einfach schön, dass diese Vielfalt möglich ist und wir nicht nur Grünen Veltliner aus Österreich trinken müssen!

Zur Abrundung gab es dann noch einen „Two Rivers Sauvignon Blanc 2013“, ebenfalls als Marlborough. Ein geradezu sortentypischer Sauvignon mit grünen Aromen, Stachelbeere und einem interessanten, frischen und fruchtigen Geschmack. Wunderbar.

Fazit: Die Welt ist mittlerweile ein Dorf. (Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass es einmal Grüne Veltliner aus Neuseeland geben wird?) Mit allen positiven und negativen Begleitumständen. Es wäre dumm zu glauben, dass wir die globalen Probleme jeder für sich lösen können. Noch viel dümmer und trauriger wäre es aber, wenn wir die unendliche Vielfalt dieses Planetens nicht (mit aller notwendigen Demut) entsprechend genießen würden.