Wie der geneigte Leser wohl mittlerweile weiß, ist für mich die Aufmachung des Weins – sowie das ganze Drumherum (Website, Social Media Auftritt etc.) – nicht ganz unwichtig. Das Auge trinkt bekanntlich mit, und ich mag es, wenn Winzer diesbezüglich Mut beweisen und neue Wege beschreiten. Einer dieser mutigen Winzer ist Reinhard Winiwarter (RW-Winery), der mir schon längere Zeit – allein aufgrund des Flaschendesigns und auf Facebook – positiv aufgefallen ist.

Der aus der Werbung kommende Unternehmer hat relativ spät den elterlichen Betrieb in Stratzing bei Krems übernommen und dort – ohne jetzt das alte Design zu kennen – den Laden zumindest optisch wohl komplett auf den Kopf gestellt. Das ist – wie er mir im persönlichen Gespräch mit einem frechen Schmunzeln erzählt hat – zu Beginn beim Seniorchef, aber auch bei einigen Kunden nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Aber da erkennt man den Werbeprofi. Nichts ist schlechter als ein Design, das den Kunden gleichgültig lässt.

Am Ende des Tages – nämlich dann, wenn die Flasche offen und der Wein im Glas ist – hilft dann aber der ganze nette und feine Firlefanz nichts mehr. Das Produkt muss halten, was die Aufmachung verspricht. Der Qualitätsanspruch bei der RW-Winery ist kein kleinerer als „einer der besten Qualitätsanbieter im Kremstal“ zu werden. Na bitte, das ist eine Ansage! Ob das vielleicht schon stimmt, durfte ich anhand von sechs verschiedenen Weinen nun selbst überprüfen:

Die wichtigste Sorte im Kremstal, und so auch bei Reinhard Winiwarter, ist der Grüne Veltliner. Drei davon habe ich verkostet – Nummer 1,2 und 8. Ja, die Flaschen sind einfach durchnummeriert. Find ich sehr cool!

#1 und #8 ist jeweils der Grüne Veltliner „Kobl“, wobei #1 aus 2015 und #8 (als Sonderfüllung für das Restaurant  Aurelius) aus 2013 stammt. #2 (ebenfalls 2015) ist der „Kremser Wolfsgraben“. Alle drei Veltliner sind überraschend kräftig, dicht und ganz feiner Stoff mit sehr gutem Entwicklungspotential. Ich habe sie quer verkostet, an drei Abend hintereinander, und dabei immer wieder neue Facetten erleben dürfen. Sie haben mir bei der EM Gruppenphase Gesellschaft geleistet und mich (und meine geplagte österreichische Fußballseele) perfekt getröstet.

Als großer Chardonnay-Fan hatte ich mit der #3 (Chardonnay „Kobl“) ebenfalls meinen Spaß. Fruchtig, frisch, mit lebhafter Säure und feinem Zitrus. Wie bei allen RW Weinen ist auch der Chardonnay geradlinig und authentisch

RW-Winery1

Eine Riesenfreude hatte ich mit dem Rosé (#4 „Loiserweg“). Der aus Zweigelt hergestellte Roséwein hatte gestern bei uns auf der Terrasse seinen großen Auftritt und hat – vor allem – meine Frau begeistert. “ Einer der besten Rosés dieser Preisklasse„, war ihr kundiges Urteil. Aber auch unsere Nachbarin, der wir zuerst ein und dann ein zweites Glas abgetreten haben, war restlos happy. „Mhmmm, wo kann man den kaufen?“ Wir haben gerne die Daten weitergegeben.

Last but not least gab es noch einen wunderbaren Zweigelt-Softie (#5 Riedencuvée) aus 2013. Ganz ein runder, harmonischer, fruchtiger und interessanter Zweigelt aus dem Kremstal. Das hätte ich so nicht erwartet und hat mir richtig Spaß gemacht.

Fazit: Reinhard Winiwarter ist auf jeden Fall ein „hidden champion“! Und das, obwohl seine Produkte so auffällig sind. Was ich am Besten finde: Die Weine halten auf jeden Fall was die Verpackung verspricht. Ich würde sogar sagen, dass das Gesamtpaket aus einem Guss ist. So geradlinig und modern die Etiketten, so sind auch seine Weine. Klare Empfehlung!