Geschmäcker sind bekanntlich verschieden! Das trifft nicht nur auf Frauen, sondern natürlich auch auf Wein zu. Dennoch sind sich die meisten Bewerter dann doch immer irgendwie einig – zumindest wenn es um die großen Weine geht. Nicht so aber bei der „Moosburgerin 2010“. Die Riesling-Dame aus dem Kremstal (Weingut Buchegger) wurde nämlich von den renommierten Magazinen  Falstaff und A la Carte mit 95 bzw. 88 Punkten äußerst unterschiedlich bewertet. Ein klarer Auftrag für mich als KNWQ-Jury! Ist die Moosburgerin nun Kremstal-Winequeen 2010, oder doch nicht?

Die Aufmachung ist – ich würde sagen – traditionell und ihrer Herkunft entsprechend. Auch der nett drapierte Blumenschmuck (siehe Titelbild) steht ihr wirklich gut. Nachdem es nun aber wirklich nicht auf so Äußerlichkeiten (so einer bin ich nicht!!) ankommt, wollen wir uns den inneren Werten zuwenden:

Schon im Glas stellt sich heraus, dass es sich bei der Moosburgerin um kein nichtssagendes Pupperl handelt. Die gold-gelbe Farbe lässt sofort erkennen, dass das eine seriöse und nicht mehr pubertierende (aber noch immer junge) Dame ist.

Nachdem es für die Sympathie aber sprichwörtlich auch extrem wichtig ist, dass man sich „riechen kann“, ist dann natürlich die Nase schon ein erster wichtiger Gradmesser für den weiteren Verlauf der Misswahl! Und da gibt es bei der Moosburgerin wahrlich nichts zu meckern. Sie ist ein absoluter „Dufti“ und lässt mit ihrer Steinobst-Nase und zarten exotischen Anklängen die Herzen eines jeden Weinliebhabers höher schlagen.

Richtig romantische Gefühle bekommt man dann aber beim Verkosten. Wunderbare gelbe Frucht, wiederum auch etwas Exotik, mit einem straffen Säuregerüst unterlegt. Ewig haftend (man könnte auch sagen, die geht überhaupt nicht mehr weg. Das will man aber auch gar nicht!). Jede Menge Charakter, aber kein Gezicke! Auch hier kommt wieder die (Flaschen-)Reife zum Tragen. Sie wird aber auch noch in einigen Jahren eine einzige „Gaumenweide“ sein, möglicherweise sogar noch besser und eleganter.

Als ich am nächsten Tag den letzten kleinen Rest der Flasche (den ich offenbar übersehen habe) in den Ausguss geleert habe, hat sich ein unglaublicher Marillenduft in der Küche breit gemacht. Das ist der letzte Beweis. Wenn man selbst am Morgen danach noch so angetan ist, dann muss das Liebe sein!

Meiner Frau hat die Moosburgerin übrigens überhaupt nicht geschmeckt, aber das würde ich – abgesehen davon, dass sie keine Weißweintrinkerin ist – purer Eifersucht zuschreiben!

Einsatz: EUR 11,- (über willhaben.at)
Gewinn: 1-2 Der Einsatz wurde mit doppeltem Genuss und Trinkspaß belohnt.