Wenn es um Essen und Trinken geht, dann bin ich ein sehr experimentierfreudiger Mensch. Ich liebe z.B. Überraschungsmenüs, oder Lokale die eine „carte blanche“ anbieten. Man sagt was man nicht mag, und den Rest darf der Küchenchef entscheiden. Genauso ist es beim Thema Wein, wo ich gerne mal den Kellner oder Sommelier frage, was er denn empfehlen kann, und bei Aussagen wie „Das ist ein Minderheitenprogramm“ oder „Das muss man mögen“ hellhörig werde.

Kürzlich ist genau das in der Meierei im Stadtpark geschehen, wo ein nettes Wochenendfrühstück mit Freunden mit einem Glas Schaumwein würdig beendet werden sollte. Angeboten wurden zunächst die üblichen Verdächtigen: österreichischer Winzersekt, Champagner und Co. vom Feinsten. Ich hätte mir also schon etwas gefunden. Dann sagt der Kellner aber noch in einem Nebensatz, dass es da auch noch etwas ganz Spezielles gibt. Nämlich einen „Pet Nat“ von Judith Beck.  In meinem verstaubten Hinterstübchen ist ein ganz schwaches Licht aufgegangen. Ich kann mich erinnern etwas darüber gelesen zu haben, habe aber nicht mehr den geringsten Tau was das jetzt genau ist. Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich bei einem „petillant naturel“ um eine Art „Orange Sekt“ handelt. Die Trauben werden auf der Maische vergoren und der Most wird dann direkt (ohne weitere Zusätze) in die Flaschen gefüllt, wo die Gärung eben weitergeht. Na bumm, Sachen gibts. Neugierig wie ich bin, habe ich keine Sekunde gezögert und den Bambule Pet Nat von Judith Beck bestellt.

Lustig war auf jeden Fall schon mal, dass der Inhalt der – neben uns – frisch aufgemachten Flasche so eine überschäumende Freude (sicher mit uns!) hatte, dass der Kellner alle Hände voll zu tun hatte, den Springbrunnen zu bändigen. Im Glas war der Schaumwein schon optisch ganz offensichtlich anders als der Gobelsburg Sekt meiner – nicht experimentierfreudigen – Sitznachbarn. Orange-gold und etwas trüb. Die Nase dann ein spektakuläres Mischmasch aus exotischen Früchten und Kräutern. Sehr spannend (wie so oft auch bei Orangen Weinen). Geschmacklich auch sehr aromatisch, aber – eben auch wie bei Orangen Weinen – etwas viel Hefe für meinen Geschmack. Ich bin nicht sicher, ob ich das dann auf Dauer auch wirklich mag und werde das bestimmt noch zwei, drei Mal probieren müssen, damit ich mir ein sicheres Urteil bilden kann.

Ein weiteres österreichisches Minderheitenprogramm ist auch der Neuburger. Ich bedaure Neuburgerja eigentlich sehr, dass diese Sorte immer mehr in Vergessenheit gerät. Ich trinke die frisch-fruchtigen Ausgaben dieser autochthonen Rebsorte, z.B. aus der Thermenregion, nämlich sehr gerne. Eine ganz besondere Version eines Neuburgers ist der Reserve von Markus Altenburger. Der teilweise in Barrique ausgebaute Wein ist sehr vielschichtig. Etwas Holz, aber auch jede Menge Frucht. Wurde von Schluck zu Schluck besser und offener als ich ihn letztens beim Wein & Co gekostet habe. Ist aber definitiv nicht jedermanns oder -fraus Sache (meiner hat er nämlich überhaupt nicht geschmeckt).

Manchmal fällt aber nicht der Inhalt in die „Das muss man mögen“ Kategorie, nein, oft sind es auch schnöde Äußerlichkeiten, die für Gesprächsstoff sorgen. [Ich erinnere mich diesbezüglich gerne an die Reaktionen auf meinen „Etikettenschwindel“ Beitrag hier].

punks-finest-logoRund um Christoph Artner ist eine Marke „Punk’s Finest“ entstanden, die – neben anderen Produkten – auch verschiedene Weine mit – sagen wir mal vorsichtig – interessantem
Erscheinungsbild anbieten. Das ist auf keinen Fall konformistisch und löst sicher heftige Reaktionen hervor. Ich finde es ziemlich cool und der jüngst verkostete „Daydreamer“ (Carnuntuum Cuvee aus Gelber Muskateller und Grüner Veltliner) hat mir als Aperitifwein richtig Spaß gemacht. Weiter so!

Fazit: 08/15 ist nicht meins. Ich liebe es immer wieder neue Sachen auszuprobieren und bin von der angebotenen Vielfalt begeistert (auch, wenn mir nicht alles davon schmeckt).

 

 

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