Der Blaue Zweigelt ist die – mit Abstand – meistverbreitete Rotweinsorte in Österreich. Mehr als 14% der Gesamt-Anbaufläche entfallen mittlerweile darauf. Ich persönlich bin – ehrlich gesagt- kein besonderer Fan davon und stelle die provokante These in den Raum: Nichts, wovon es wirklich viel gibt, ist eine Spezialität. Und Zweigelts gibt es in den Regalen ja wirklich zum Schweinefüttern.

Inline-Bild 1Enstanden ist die Rebsorte (damals vom Erfinder Friedrich Zweigelt uneigennützig „Rotburger“ genannt) 1922 durch eine Kreuzung von Blaufränkisch und St. Laurent. Der gute Fritz Zweigelt war ein aufrechter Nationalsozialist, der dann 1938 auch Direktor der Weinbauschule Klosterneuburg wurde. Nach 1945 musste er den Posten in Klosterneuburg wieder räumen. Seiner Ideologie ist er aber immer treu geblieben. Interessanterweise hat man dann in den 1970er Jahren – posthum und ungeachtet seiner Vergangenheit – dennoch den Rotburger in Blauer Zweigelt umbenannt. So gesehen ist die Geschichte des Zweigelt auch irgendwie ein Spiegelbild der österreichischen Seele im letzten Jahrhundert. Mehr Österreich geht also nicht.

Der Zweigelt hat – wie schon gesagt – einen unglaublichen Höhenflug hingelegt und ist – mengenmäßig – das rote Pendent zum Grünen Veltliner. Aus meiner Sicht aber leider in der Breite viel weniger interessant. Da gibt es viele recht beliebige und nichtssagende Weine, mit wenig Säure und Charakter. Langweilig!

Und dann gibt es Zweigelts wie den Schwarz Rot von Johann „the butcher“ Schwarz, der seit 1999 mit diesem Wein für Furore sorgt. Angetreten ist er mit seinen Unterstützern (niemand geringerer als Alois Kracher und Manfred Krankl) und dem Ziel, Weine zu machen, die man in Österreich so noch nicht gesehen hat. Und das ist ihm mit seinem Zweigelt Schwarz Rot auch gelungen. Da merkt man schon an der wuchtigen Flasche, am Etikett und an der Wachskappe (eine echte Herausforderung für Sommeliers), dass es sich beim Schwarz Rot um etwas Besonderes handelt. Extreme Auslese im Weingarten und beinahe 100% neues Holz sorgen für hochinteressante, konzentrierte und langlebige Weine.

Ich staunte nicht schlecht, als ich bei meinem Geburtstagsabendessen mit meiner Frau im Restaurant Smaragd in Maria Taferl in der Weinkarte den Schwarz Rot 2010 (immerhin Falstaff Sortensieger) um EUR 45,- entdeckt habe. Daran konnte ich – obwohl mir meine Frau eingedenk des Ereignisses komplett freie Hand bei der Weinauswahl gelassen hat – nicht vorbei und habe sämtliche sonstigen Kapazunder links liegen lassen.

Schwarz Rot 2Was wir  (zu einem fantastischen 6 Gang Menü) bekommen haben war ein hochspannender, vielseitiger (muss er ja bei so einem Menü auch) Speisenbegleiter. Sehr dunkel im Glas, beerige Nase und trotz aller Komplexität, elegant und – dem Jahrgang entsprechend – nicht zu wuchtig. Just perfect.

Fazit: Solche Zweigelts gibt es ganz selten. Und wovon es nicht viel gibt, und was gleichzeitig so gut ist, ist definitiv eine Spezialität.

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