Ich habe ja Französisch als Jungspund im Ybbstal erlernt. Die Sprache….und das Küssen. Beides im Gymnasium Waidhofen an der Ybbs und anscheinend mit extrem unterschiedlichem Erfolg, wenn man meiner Frau Glauben schenken kann. Nachdem ich weiß, dass ich ziemlich sprachunbegabt bin, werte ich das trotzdem auf jeden Fall als Kompliment. (Eh besser so. Mit gepflegtem Französisch kommt man zwar in vielen Ländern gut an, aber wenn man gut Schmusen kann, auf der ganzen Welt.) 

Aber kommen wir vom tiefsten Ybbstal der frühen 90er Jahre zum Wien des 21. Jahrhunderts. Es ist wirklich bemerkenswert, wie sich unsere Bundeshauptstadt in den letzten Jahrzehnten zu einer Metropole entwickelt hat. Nicht nur, dass am ersten Mai sogar die Straßenbahnen fahren, nein, die Öffis sind jetzt sogar auch in der Nacht unterwegs. Auch kulinarisch hat sich Wien zu einer Weltstadt gemausert. Es gibt wirklich alles und reichlich, nur die französische Küche ist komischerweise ziemlich unterrepräsentiert.

Bei der Haute Cuisine (haha, da soll noch einer sagen, ich hab es nicht auch sprachlich drauf) gibt es mit dem Le Salzgries und dem Le Ciel zwei (zumindest mir) bekannte Franzosen. Aber ich der Breite gibt es leider relativ wenig. Das ist schade, denn gerade die Bistros und Cafes machen z.B. Paris so nett und interessant.

Seit einigen Jahren gibt es aber das Cafe Francais am Beginn der Währinger Straße. Die Adresse dürfte schwierig sein, da in den Jahren davor einige Lokale an diesem Standort gescheitert sind. Nicht so das Cafe Francais. Wir waren am Abend dort, und das chice Lokal war bis zum letzten Platz gefüllt. Die Stimmung war gut, der Kellner bestens aufgelegt, mit französischem Charme.

Das Lokal hat nicht den Anspruch ein Top-Restaurant zu sein, und das ist auch gut so. Die Speisekarte strotzt nur so von Klischees, und auch das gefällt mir irgendwie. So war mein Menü schnell ausgewählt: Französische Zwiebelsuppe als Vorspeise und – als Reminiszenz an unsere Hochzeitsreise – Moules Frites (die ich damals in der Bretagne und Normandie zu Tausenden gegessen habe, was – wen man die angebliche Wirkung von Schalentieren kennt – bei der Hochzeitsreise nie falsch sein kann).

Eine französische Weinkarte ist für mich immer eine doppelte Herausforderung. Nicht nur der Preis spielt dabei eine Rolle, nein, ich muss den Namen des Weins auch halbwegs aussprechen können. Die beiden Parameter können die Auswahl manchmal schon ziemlich einschränken. Im Francais wurde es ein „Aimé Roquesante Cuvée Reservée 2014“, und ein Badoit dazu. Bestellt habe ich einen [Äme Roksaunt Küwe Reserwe e ün Badoa] – die Jahreszahl des Weins habe ich weggelassen. Wäre sinnlos gewesen. Gleichzeitig habe ich – sicher ist sicher – auch noch draufgezeigt, und der Kellner hat es kapiert, und mit einem charmanten Lächeln quittiert.

Die Zwiebelsuppe, die Moules Frites, der Rosé aus der Provence, das tres chicke Lokal und ein bissl Schmusen. Une soirée fantastique.

 

 

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