In den Ställen der spanischen Hofreitschule tummeln sich ja bekanntlich mehr als 70 edle, weiße Pferde, die allesamt übers Jahr so richtig viel Mist produzieren. Eine Frage, die sich wohl die tausenden Touristen niemals stellen, ist: was passiert eigentlich damit? Da kamen die die damaligen Eigentümer des Weinguts Hajszan Neumann (das Weingut gehört ja mittlerweile Fritz Wieninger) mit einer findigen Idee gerade recht. In Kooperation mit der Hofreitschule düngen sie nämlich ihre biodynamische Weingärten seit 2012 mit dem Edel-Mist der Lippizaner. Im Gegenzug werden die Weine des Weinguts bei der Feté Imperial der Hofreitschule kredenzt.

Darunter auch der Gemischte Satz Weissleiten 2014, den ich kürzlich über willhaben.at von einer netten Dame um EUR 5,- erworben habe.

Der Gemischte Satz ist ja eine Wiener Institution und gehört zur Stadt wie die grantigen Kellner im Kaffeehaus oder die edlen (und fleißig kackenden) Lipizzaner der Hofreitschule. Doch beinahe wäre diese Institution von der Bildfläche verschwunden. Irgendwie passte der Gemischte Satz in den 1990er Jahren nämlich nicht mehr wirklich in unser strenges Weingesetz, und nachdem sich der komplette qualitative Weinbau auf Sortenreinheit fokussierte, wurde dieser Wein eher ein Synonym für minderwertigere Qualität und spielte de facto keine nennenswerte Rolle mehr.

Ich staunte dann allerdings Anfang des Jahrtausends nicht schlecht, als ich in den Wein & Co Regalen plötzlich eine – auch optisch – sehr interessante Flasche entdeckte: Es war ein Wieninger Nussberg Alte Reben 1999, angeboten um rund 200,- Schilling. Also für damalige Verhältnisse schon eine Ansage für einen Gemischten Satz! Aber was ist das überhaupt? Verschiedenste Sorten eines einzelnen Weingartens werden einfach gemeinsam gelesen und vergoren. Pures Terroir also. Der Nussberg eröffnete damals das Tor in eine neue Liga und war damit die Wiedergeburt dieses Wiener Klassikers.

Seither haben es viele – vor allem junge Wiener Winzer – Fritz Wieninger nachgemacht, und der Gemischte Satz hat (nicht nur in Wien) einen wunderbaren Aufschwung erlebt. Völlig zu Recht, und zum Wohle der Konsumenten. Das Repertoir geht von ganz mächtigen, komplexen und vielschichtigen Weinen bis hin zu eher fruchtigen und verspielten Vertretern. Ich mag sie alle. Und nicht nur ich. Wenn die Entwicklung so anhält, wird der Gemischte Satz wohl auch quantitativ das unangefochtene Aushängeschild des Wiener Weins werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich war schon richtig neugierig auf den Weissleiten 2014, und so war dann auch schnell eine Gelegenheit gefunden. Auf mit der Flasche und rein ins Glas: Ziemlich hell, mit schöner Frucht in der Nase. Finessenreich, frisch und sehr, sehr trinkanimierend. Ein großer Genuss und die Flasche war im Nu weg.

Die Lipizzaner haben also ganze Arbeit geleistet. Vielleicht sollte ich mir demnächst ein paar Pferdeäpfel auf meine – mittlerweile viel zu hohe – Stirn klatschen….aber das ist eine andere Geschichte.

Einsatz: EUR 5,-
Gewinn: 1-2, Der Einsatz wurde mit doppeltem Genuss und Trinkspaß belohnt.