Der legendäre Film „Indien“ mit Josef Hader und Alfred Dorfer ist ja eine wahre Fundgrube an Lebensweisheiten und Aphorismen. Die beiden spielen dabei Tourismuskritiker, die bei ihrere Reise durch das touristische Niederösterreich, mit ihrer Meinung über Speis & Trank und die ländlich dominierte Gastronomie nicht hinterm Berg halten. Dabei treffen sie oft ins Schwarze. Wer kann z.B. schon der Aussage „Bei 90% der Wirt kannst sagen, de san zu 100% Trotteln!“ widersprechen? Eben! 

Ich musste letzte Woche schmunzelnd an diesen Film und ein bestimmtes Zitat daraus denken. Anlass war ein deutscher Riesling, den ich um EUR 5,- über willhaben.at erworben hatte. Ein „Riesling Rothlai Kabinett 2014“ vom hoch dekorierten Weingut Dr. Loosen an der Mosel. Die Flasche wird über die „Selection Alexander von Essen“ vermarktet und liest sich von den Beschreibungen her ganz hervorragend. Stutzig geworden bin ich aber beim Studium der  Analysedaten des Rieslings: Alkoholgehalt 9,50%, Säure 7,0g/l und Restzucker 25g/l.

Im Film beschreibt der ewig grantelnde und in diesem Moment betrunkene – aber dennoch autofahrende – Herr Bösel dieses Dilemma so: „Des deitsche Pils is ja an sich bitterer. Dafür is der Wein durt siaßa! A jeder wie a glaubt.

Ich habe jetzt überhaupt kein Problem mit dem deutschen Pils (ganz im Gegenteil) und natürlich auch kein prinzipielles Problem mit deutschem Wein (ebenfalls ganz im Gegenteil), aber ich tue mir extrem schwer, die (vermeintliche) Faszination von halbtrockenen oder lieblichen Weinen zu erkennen. Und oftmals – da hat er nämlich schon Recht, der Herr Bösel – kommen diese Weine aus Deutschland. Vor allem von der Mosel. Klar, die ist ja auch weltberühmt dafür.

Am Samstag Vormittag haben wir vom Markt herrlich frischen Spargel für ein feines Risotto mitgenommen, und ich habe mich ehrlich auf den Riesling als Speisenbegleiter gefreut. Man darf ja niemals aufhören, die eigenen Vorurteile einer strengen Überprüfung zu unterziehen.

Dr Loosen

Man kann es kurz machen: Der Wein war technisch gesehen top, aber er hat mir nicht geschmeckt. In der Nase und am Gaumen zwar sehr fruchtig und mineralisch, bleibt am Ende doch – für mich – die Süße viel zu sehr im Vordergrund. Meine Hoffnung, dass die Säure das etwas abfedern würde, hat sich leider nicht erfüllt.

Einsatz: EUR 5,-

Fazit: Objektiv gesehen war der Riesling den Einsatz sicher mehr als wert. Die Rieslinge von der Mosel sind nicht zu Unrecht weltberühmt. Ich kann sie – ehrlich gesagt – aber nur trocken ausgebaut wirklich genießen. Beim nächsten Mal dann eben ein trockener Riesling. Bis dahin: „Drei, zwo, eins! Bussi!“

 

 

 

 

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