Die Gastronomie ist schon eine ziemliche Achterbahn. Das oftmals wechselnde Glück betrifft zum einen natürlich Eigentümer und Köche, umfasst aber auch immer wieder bestimmte Standorte. Das kleine Lokal am Schubertring 6 und die aktuellen Besitzer des „Liebsteinsky“ könnten ein Liedchen davon singen. 

Obwohl es an diesem Standort noch keine zehn Jahre ein Lokal gibt, hat er schon eine wcchselhafte Geschichte. Zunächst ist mit dem Cal(l)las eine spektakulär absurde Mischung aus Restaurant, Bar, Galerie und Blumenhandlung dort eingezogen. Das ist – wenig überraschend – nicht gut gegangen, hat jedoch mir und meiner Frau ein unvergessliches Erlebnis beschert, an das wir uns aber beide eigentlich nicht mehr wirklich erinnern können. (Wir haben dort ein Katerfrühstück nach unserer Hochzeitsparty „genossen“.) Aber das ist eine andere Geschichte…

Jetzt gibt es dort seit einigen Jahren das Liebsteinsky. Andreas Mikulits, der mit dem Novelli im Wiener Restaurant-Sternenhimmel war und dann irgendwie mit dem Limes als Schnuppe verglüht ist, hat ebenfalls schon ein bisserl was erlebt. Mit seinem ersten eigenständigen „Baby“ Liebsteinsky läuft aber alles Bestens, wie ich mich vor kurzem selbst – mit ehemaligen Arbeitskollegen, die alle auch einmal am Schubertring 6 (aber nicht im Cal(l)las als Blumenbinder oder so) gearbeitet haben – überzeugen durfte.

Das Interieur ist schlicht, geschmackvoll und könnte spielend in jeder Metropole dieser Welt erfolgreich sein. Ein kleiner Kritikpunkt: es wirkt vielleicht ein wenig Hallen-artig, aber das mag den räumlichen Gegebenheiten geschuldet sein. Ich habe mich auf jeden Fall sehr wohl gefühlt, und das Essen war ausgezeichnet. Das Beef Tartar (was sonst?) als Vorspeise und die geschmorten Mangaliza Schweinebackerl als Hauptgang waren perfekt. Andreas Hausberger und sein Serviceteam waren ebenfalls zuvorkommend und äußerst gastfreundlich.

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Aber nun zum Wichtigsten – der Weinkarte. Die ist eine feine Mischung aus bekannten Klassikern, Quereinsteigern und einigen unbekannteren Winzern. Sehr gut kalkuliert, ist da definitiv für jeden etwas dabei. Wir wählten für uns den „Chardonnay Gollin“ 2012 von Hajszan-Neumann und den „Josephine 2011“ vom Gut Oggau. Zweimal eine hervorragende Wahl, wie sich herausstellen sollte.

Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich ziemlich auf diese etwas molligen Chardonnays stehe. Der Gollin ist komplex, mit Holzeinsatz, aber dennoch fein strukturiert und im Endeffekt dann nicht zu üppig. Ich hab den Wein zum Beef Tartar getrunken und das hat – für mich etwas überraschend – wunderbar gepasst. 

Die Josephine 2011 ist ein ganz besonderer Wein. Nicht nur das bemerkenswerte Etikett (die Weine des Gutes Oggau haben alle Namen, ein Gesicht und einen eigenen Charakter), auch der Inhalt konnte überzeugen. Der Wein ist nämlich zum Hauptteil aus der Rösler Traube gekeltert. Das ist übrigens eine Klosterneuburger Neuzüchtung aus: Zweigelt und „Klosterneuburg 1189-9-77“ (der wiederum eine Kreuzung aus „Seyve Villard 18-402“ x Blaufränkisch darstellt). Ziemlich abgefahrener Stammbaum, den die Josephine da hat. Schmeckt aber saugut! Dunkelrot und beerig, dicht und langer Abgang. Sicher auch in 10 Jahren noch gut.

Fazit: Tolles Essen, ausgezeichnete Weine und ein lustiger Abend mit Freunden, an den wir uns – aufgrund der überschaubaren Mengen – diesmal auch erinnern können 🙂

 

 

 

 

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